Das Berliner Start-up bekommt eine Finanzspritze, um einen neuen Wirkstoff zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen zu testen. Die Firma hofft auf einen lukrativen Verkauf der Formel.

Mit 17 Millionen Euro an frischem Kapital will Omeicos Therapeutics seine Medikamentenentwicklung vorantreiben. Das 2013 gegründete Start-up aus Berlin arbeitet an Arzneimitteln zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen. Hauptinvestor in der Series-C-Finanzierungsrunde ist der auf Pharma spezialisierte Risikokapitalgeber Forbion, zudem stammt das Geld von der Förderbank KfW, dem VC-Fonds Technologie Berlin und dem High-Tech Gründerfonds (HTGF).

Omeicos startet mit den zusätzlichen Millionen eine sogenannte Phase-II-Studie, bei der ein selbstentwickelter Wirkstoff bei Patienten mit Vorhofflimmern getestet werden soll. Die Formel wirkt nach ersten Erkenntnissen auf den Kalzium- und Energiestoffwechsel in den Zellen der Herzmuskeln und soll verhindern, dass sie bei ihrer Arbeit aus dem Takt kommen. Helfen soll der neue Wirkstoff chronisch Kranken, die über lange Zeit Medikamente mit bislang teils schweren Nebenwirkungen einnehmen müssen.

Studienergebnisse seien im ersten Quartal 2020 zu erwarten, sagt Geschäftsführer Robert Fischer auf Anfrage von WirtschaftsWoche Gründer. In der ersten Phase der Studie habe seine Firma bereits gezeigt, dass der Wirkstoff mit der Bezeichnung OMT-28 für gesunde Menschen verträglich sei. Nach dem Ende der zweiten Phase werde klar sein, ob der Wirkstoff tatsächlich bei Kranken wirke und welche Dosis benötigt werde. Bei Erfolg könnte der Wirkstoff in einigen Jahren als Kapsel oder Tablette beim Patienten ankommen. Zur Marktreife wird Omeicos das neue Medikament allerdings nicht selbst bringen. Geplant sei, die teure Entwicklung nach Phase II an einen der Pharmakonzerne zu übergeben – die Formel also zu verkaufen.

Augenkrankheiten im Fokus des US-Standorts

Zukünftig will die Biotechnologie-Firma weitere medizinische Bereiche angehen. Zu Augenheilkunde forscht seit 2017 eine Niederlassung in der US-Stadt Boston. Im Fokus stehen Folgeerkrankungen von Diabetes, wie etwa das diabetische Makulaödem oder altersbedingte Makuladegeneration (AMD), die zu starken Einschränkungen der Sehfähigkeit bis hin zu Blindheit führen können.

Gestartet ist Omeicos als Forschungsprojekt zu Omega-3-Fettsäuren am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin. Derzeit beschäftigt das Unternehmen 18 Mitarbeiter und erhält unter anderem Unterstützung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). In einer Series-A-Finanzierungsrunde im April 2015 flossen bereits 6,2 Millionen Euro an die junge Firma.

Der deutsch-niederländische Investor Forbion soll Omeicos nun weiteren Anschub geben, positiv nimmt das auch Co-Kapitalgeber HTGF auf: „Der HTGF als erster Investor in der Seed-Runde von Omeicos 2013 ist sehr glücklich darüber, zu sehen, wie das Unternehmen den nächsten großen Schritt geht in Richtung eines neuartigen Pharmaprodukts. Mit Forbion haben wir nun einen der angesehensten europäischen Life-Science-Investoren an Bord.”

Die Größen der Gesundheits- und Pharmabranche werben derzeit unter Start-ups immer stärker um Partner für digitale Innovationen. Näher heranrücken an Gründer wollen zum Beispiel das Medizintechnik-Unternehmen B. Braun Melsungen und Pharmariese Roche, die Anfang des Jahres neue Accelerator-Programme gestartet haben.