Scheitern gehört dazu, sagt Oliver Samwer. Die damit verbundenen Negativmeldungen und Kursschwankungen will der Rocket-Chef ignorieren und setzt auf die langfristige Perspektive.

Nach dem Kurssturz und den jüngsten Turbulenzen bei Rocket-Internet äußert sich Gründer Oliver Samwer ausführlich im Interview mit der “Süddeutschen Zeitung”. Dabei macht er klar, dass die langfristige Perspektive der Internet-Beteiligungsgesellschaft entscheidend sei. “Die kurzfristige Optimierung des Börsenkurses und der Kommunikation ist für mich kein Thema mehr”, sagte Samwer. Denn die Kursschwankungen würden die realen Entwicklungen nur ungenügend abbilden. „Unsere Firma verändert sich in vier Monaten nicht um 50 Prozent“, sagte Samwer, „irgendwo ist da was falsch.“

In Deutschland sei es schwer, das Geschäftsmodell einer Wagniskapitalgesellschaft zu erklären. Zudem liege es in der Natur des Modells, dass es auch negative Entwicklungen gibt. “Bei Rocket Internet haben wir übrigens eine große Bereitschaft zum Scheitern. Bei anderen explodiert nicht jeden Tag irgendein Geschäft.” Deshalb müsse er viel kommunizieren und erklären.

Finanzkraft von Rocket Internet durch Börsengang verdoppelt

Trotzdem hat sich der Börsengang aus seiner Sicht gelohnt: „Wir haben inzwischen eine Finanzkraft von drei Milliarden Euro, ohne Börsengang wären es nur anderthalb.“ Samwer setzt zudem darauf, dass Rockets Modell in fünf oder zehn Jahren besser verstanden werde.

Zuletzt hatte Rocket Internet Schlagzeilen gemacht, weil das Unternehmen seine in der Global Fashion Group (GFG) gebündelten sechs Modehändler von gut drei Milliarden auf eine Milliarde Euro abgewertet hatte. Zugleich schossen Rocket und der Partner Kinnevik zusammen 300 Millionen Euro frisches Kapital bei der GFG nach. Womöglich sei der Bedarf der GFG an flüssigen Mitteln falsch eingeschätzt worden, sagte Samwer. Trotzdem halte Rocket Internet an den Beteiligungen fest. “Wir werden mit dem investierten Kapital einen guten Return machen” sagte Samwer. “Wir glauben an diese Firma, und wir werden auch mit dieser Firma Geld verdienen.”

In der vergangenen Woche hatten die beiden Vertreter des schwedischen Investors Kinnevik, der 13,2 Prozent an Rocket hält und bei vielen Start-up-Firmen gemeinsam mit der Berliner Firma investiert, den Aufsichtsrat verlassen. Vorausgegangen war laut Insidern ein Streit zwischen Kinnevik-Chef Lorenzo Grabau und Samwer. “Die Veränderungen im Aufsichtsrat geschehen nicht aus Gegnerschaft, sondern aus der Überzeugung, das Unternehmen weiter voranzutreiben”, sagte Samwer dazu. “Jetzt stehen wir vor neuen Herausforderungen, und wir verändern die Mannschaftsaufstellung entsprechend.”