Start-ups haben im Schnitt fünf offene Stellen. Doch die Suche nach geeigneten Mitarbeitern scheitert oft am hohen bürokratischen Aufwand.

Früher stellte man sich den typischen Gründer etwa so vor: Ein einsamer Nerd, der Tag und Nacht vor seinem Computerbildschirm verbringt, dabei eine Unmenge an Energy-Drinks vernichtet, und intensiv an einer weltverändernden Web-Plattform programmiert.

Wie wenig diese Vorstellung mit der Realität zu tun hat, und dass Gründer in Wahrheit gerne in der Gruppe zu arbeiten scheinen, zeigt eine aktuelle Umfrage von Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom unter mehr als 300 IT- und Internet-Start-ups.

Im Durchschnitt beschäftigen Start-ups hierzulande 16 Mitarbeiter, rund jedes fünfte Startup (21 Prozent) hat sogar 20 oder mehr Beschäftigte. Drei Viertel (73 Prozent) der Gründer gaben an ihr Unternehmen im laufenden Jahr vergrößern zu wollen:

Im Durchschnitt fünf offene Stellen

Im Durchschnitt haben Start-ups fünf offene Stellen, doch die Einstellung neuer Mitarbeiter gestaltet sich schwierig. Mehr als jedes zweite Start-up (56 Prozent) hat bereits die Erfahrung gemacht, dass es eine Stelle nicht besetzen konnte, weil sich keine geeigneten Kandidaten finden ließen.

„In Deutschland fehlen aktuell rund 55.000 IT-Spezialisten. Wer offene Stellen für Informatiker oder Ingenieure hat, der konkurriert mit einer Vielzahl von Unternehmen um dieselben Kandidaten – und Start-ups können in aller Regel nicht jene Gehälter zahlen, die etablierte Unternehmen anbieten“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. Start-ups sollten Bewerbern darum ein attraktives Gesamtpaket anbieten und sich möglichst auch international um geeignete Mitarbeiter bemühen..

Hoher bürokratische Aufwand

Allerdings sei gerade die Rekrutierung von Mitarbeitern aus Ländern außerhalb der EU immer noch mit hohem bürokratischem Aufwand verbunden, der gerade für kleine Start-ups nur schwer zu stemmen sei. Eine breite Mehrheit der Start-ups unterstützt daher laut Bitkom-Umfrage die Forderung nach einem Fachkräfteeinwanderungsgesetz, das den Zuzug qualifizierter Arbeitskräfte aus Nicht-EU-Ländern erleichtert. Rund drei Viertel (72 Prozent) sind der Überzeugung, dass ein solches Gesetz  für ihr eigenes Unternehmen hilfreich wäre.

Andere Länder sind da schon einen Schritt weiter. So ermöglicht die französische Regierung mit dem „French Tech Visa“ Start-up-Gründern, -mitarbeitern, und -investoren aus dem außereuropäischen Ausland unkompliziert eine Aufenthaltsgenehmigung und Arbeitserlaubnis für vier Jahre zu beantragen.

„SPD und Union haben im Koalitionsvertrag ein Fachkräftezuwanderungsgesetz versprochen. Es muss die Bedürfnisse und oft eingeschränkten Möglichkeiten von Start-ups berücksichtigen und so schnell wie möglich entworfen, verabschiedet und umgesetzt werden“, sagt Achim Berg.