Der Berliner Investor Project A hat seinen zweiten Fonds geschlossen. Neben Otto und Springer finanzieren nun auch Oetker, Ravensburger oder Haniel neue Start-up-Beteiligungen.

Als 2012 der Inkubator Project A gegründet wurde, bezeichneten viele das Projekt als „nette Alternative“ zu Rocket Internet. Mit Christian Weiß, Uwe Horstmann und Florian Heinemann standen gleich drei Top-Manager aus dem Samwer-Reich an der Spitze des neuen Projekts.

Seither hat sich einiges getan: Rocket ist an die Börse gegangen und verabschiedet sich immer stärker vom ursprünglichen Modell, erfolgreiche Start-up-Ideen aus den USA zu kopieren und  selbst junge Unternehmen aufzubauen. Stattdessen entwickelt sich die Samwersche Start-up-Fabrik mehr und mehr zum klassischen Wagniskapitalgeber.

Auch Project A hat sich vom Inkubator zum Investor gewandelt. Das für künftige Beteiligungen nötige Kapital haben die Berliner nun auch zusammen. Project A hat seinen zweiten Fonds über 140 Millionen Euro geschlossen.

Zum Start hatte Project A 80 Millionen Euro von Otto und Springer erhalten. Nun wurde die Reihe der Geldgeber deutlich erweitert. Größter Geldgeber ist diesmal der European Investment Fund, außerdem beteiligen sich Unternehmen und Unternehmerfamilien wie ProSiebenSat.1, Jahr, Haniel, Ravensburger und Oetker. Springer und Otto beteiligen sich ebenfalls wieder, offenbar aber in geringerem Umfang.

“Wir freuen uns sehr, dass uns im neuen Fonds ein breites Spektrum an Investoren aus der neuen und alten deutschen Wirtschaft ihr Vertrauen schenken”, sagt Thies Sander, Gründungspartner bei Project A. “Die letzten fünf Jahre haben gezeigt, dass sich unser Modell des operativen VC-Ansatzes bewährt und wir freuen uns darauf, unser Portfolio weiter ausbauen zu können.”

Project A erhält zudem weitere 40 Millionen Euro zur Aufstockung von bisherigen Investments. Damit beträgt das verwaltete Gesamtkapital 260 Millionen Euro.

Der Wagniskapitalgeber hat sich bislang an mehr als 40 Start-ups beteiligt, dazu gehören beispielsweise Wine in Black, die Gesundheits-App Klara, kfzteile24, die Shoppingsoftware Spryker oder der Verschlüsselungsdienst ZenMate.

Die ganz großen Namen fehlen freilich, dafür gab es bislang auch wenig Pleiten. Das könnte sich mit dem neuen Fonds künftig ändern. So sagte Uwe Horstmann kürzlich in einem Interview mit dem E-Commerce-Blog Kassenzone selbstkritisch: „Wir haben eine relativ niedrige Scheiternsquote, was uns zu der Überlegung veranlasst, ob wir nicht zu wenig Risiko eingehen“.

Die größten Erfolge bislang waren der Verkauf des Reifenhändlers Tirendo für 50 Millionen Euro und der Beauty-Plattform Treatwell für 34 Millionen Euro.