Die verprellten Kunden bei Number26 zeigen, wie schnell Fintech-Start-ups ihren Sympathiebonus verspielen können. Zudem greifen die Banken nun an und klonen die innovativen Produkte. 

Lange waren die Fronten klar: Auf der einen Seite standen die jungen, symphatischen Fintech-Start-ups, die mit modernen Produkten die Kunden von morgen begeisterten. Auf der anderen die alten Banken, die oft noch nicht einmal eine vernünftige App im Angebot hatten.
Doch so einfach ist die Gefechtslage nicht mehr. Die Banken haben die Gefahr erkannt, ziehen mit eigenen Neuerungen nach und intensivieren ihre Aktivitäten bei der Digitalisierung, wobei sie auch verstärkt Start-ups mit einbeziehen. Die Commerzbank ist mit dem Main Incubator schon länger aktiv und auch die Deutsche Bank zieht nach. 750 Millionen Euro sollen in die so genannte “Digitalfabrik” investiert werden. “Wir wollen der Kooperationspartner Nummer Eins für Fintechs werden”, sagte Chief Digital Officer Markus Pertlwieser bei der Noah-Konferenz in Berlin.
Noch ist es dahin ein weiter Weg, wie nicht zuletzt die massive Software-Panne zeigte, die die Kontostände von fast drei Millionen Deutsche-Bank-Kunden durcheinander wirbelte. Doch Probleme mit nicht erfolgten Buchungen und technische Einschränkungen erlebten Kunden von Number26 in den vergangenen Monaten viel öfter. Ausgerechnet bei den Machern des vermeintlich modernsten Digitalkontos schien es um die Technik nicht viel besser gestellt zu sein. Weit schlimmer jedoch ist der Umgang der Tech-Banker mit ihren Kunden.

Number26: “Geldautomaten einer der größten Kostenblocks”

Hunderte Konten wurden gekündigt, meist weil die Kunden regelmäßig Geld an Automaten abgehoben haben. Dafür zahlt das Start-up Gebühren, bietet Kunden seinen Service jedoch kostenlos. Die Kalkulation ging offenbar nicht mehr auf. “Einer unserer größten Kostenblocks sind Geldautomaten”, räumte denn auch Nicolas Kopp, Head of Business Development bei Number26 ein, nachdem er zuvor die niedrigen Kosten des Unternehmens als Wettbewerbsvorteil gelobt hatte. In den nächsten Wochen soll es so genannte “fair use” Regeln für die Nutzung von Geldautomaten geben.

“Wir wollen uns für fehlende Transparenz entschuldigen”, sagte Kopp. Denn die Kunden waren über die Kündigungsgründe nicht informiert worden. Trotzdem lässt die Krisenbewältigung weiter zu wünschen übrig, wie auch der Auftritt von Kopp zeigte. Ursprünglich war Firmenchef und Gründer Valentin Stalf angekündigt, doch der konnte wegen eines “wichtigen business meetings” nicht. Das mag stimmen, genug zu klären gibt es für das Start-up auch intern allemal. Und doch passt es ins Bild, wie ein Interviewversuch des “Handelsblatts” zeigt. Nur schriftlich wollte sich Stalf da äußern, sagte dann jedoch ab, da ihm die Fragen nicht gefielen.