Der Bundesverband Deutsche Start-ups stellt sich in Nordrhein-Westfalen neu auf. Die Macher vor Ort haben selbstbewusste Pläne – doch auch noch einige Schritte vor sich.

Hier der Tisch „Köln“, dort „Ruhr“, weiter hinten „Ostwestfalen“: Ordnungsgemäß gruppierten sich Gründer und Interessierte in dem Kölner Brauhaus zuerst an dem mit Aufstellern ausgewiesenen Tischen ihrer Region. Lange hielt die strikte Aufteilung jedoch nicht: „Im Kopf sind die Wege kurz, wenn man die Stadtgrenzen überwindet“, sagte Andreas Pinkwart, Wirtschaftsminister des Landes Nordrhein-Westfalen.

Der Bundesverband Deutsche Startups (Startup-Verband) hatte schließlich auch nach Köln geladen, um genau das zu ändern: In großer Runde wurde gestern die Neuorganisation der Regionalgruppe Nordrhein-Westfalen offiziell gestartet. Zum Aufbruch ins „NRWalley“ hatten die Verbandler eingeladen – in der Hoffnung, dass sich unter diesem Slogan in Zukunft das Start-up-Ökosystems des ganzen Bundeslandes organisieren lässt. Ganz simpel ist diese Aufgabe nicht: NRW sei groß und vielfältig, aber es sei eben auch nicht einfach, eine gemeinsame Dachmarke zu finden, sagte Pinkwart in seinem Impulsvortrag vor etwa 100 Gästen.

Streetcredibility aus der Start-up-Szene

Doch die Ambitionen sind groß: Über das letzte Jahr haben Ehrenamtler des Verbands nach Ansprechpartnern für die Regionen gesucht, die die nötige „Streetcredibility in der Start-up-Szene“ haben, wie es Torsten Jensen, Sprecher der Regionalgruppe und Mitglied des Bundesvorstands, benennt. Im nächsten Schritt sollen so bundesweite Veranstaltungen des Verbands stärker in NRW auftauchen, umgekehrt will man zunehmend als Stimme der NRW-Start-ups auftreten.

Gelingen diese Schritte, könnte das auch die Struktur des Startup-Verbands verändern. Die Organisation, die im vergangenen Jahr ihren fünfjährigen Geburtstag gefeiert hat, setzt außerhalb der Berliner Geschäftsstelle bislang auf Ehrenamtliche. Man unterstütze die NRW-Initiative vorerst mit dem „Toolset“, sagt Bundesvorsitzender Florian Nöll im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer.

Das könnte im Laufe des kommenden Jahres anders werden: Plan des neuen NRW-Teams ist es, auch festangestelltes Personal für das Start-up-Ökosystem im Land zu etablieren. Eine solche Geschäftsstelle des Startup-Verbandes wäre die erste außerhalb Berlins. Das könnte in anderen selbsternannten Gründerländern wie Hamburg, Baden-Württemberg oder Bayern durchaus auf neidische Nachfragen stoßen. „Wir können immer nur verstärken, was Ehrenamtler vor Ort auf die Beine stellen“, sagt Florian Nöll dazu gegenüber WirtschaftsWoche Gründer. „Konkurrenz belebt das Geschäft“, sagt auch Regionalgruppen-Sprecher Jensen, im Hauptberuf Digitalberater bei EY. „Es kann doch nur gut sein, wenn sich die Bundesländer gegenseitig hochschaukeln.“

Werben um die Gründer

Das gilt sowohl für die Verbandsarbeit als auch für den politischen Bereich: Quer durch Deutschland positionieren sich zunehmend Bundesländer, um das Thema Start-up für sich zu besetzen. Niedersachsen ist dabei, einen Beteiligungsfonds kräftig aufzustocken. Baden-Württemberg hat jüngst eine Denkfabrik rund um das Thema gestartet und im vergangenen Jahr einen Fonds aus privatem und staatlichen Kapital aufgelegt. Bayern setzt auf einen erprobten Austausch zwischen Hochschulen und Industrie und konnte damit etwa viele Gründer in Wettbewerbe und Stipendien platzieren.

NRW hält unter anderem mit der Hochschulinitiative „Rheinland Valley“, einer ganzen Reihe an eigenen Digital Hubs, einem Gründerfonds und den Ankündigungen für ein Gründerstipendium noch in diesem Jahr dagegen. „Noch ist NRW etwa fünf Jahre hinter Berlin hinterher“, sagt Minister Pinkwart im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer, „aber wir haben gute Voraussetzungen, das zu ändern.“ Ein Manko, so war es auch von Gründern bei der Auftaktveranstaltung zu hören, bleibt der Mangel an ansässigen Geldgebern für Anschlussfinanzierungen – größere Tickets werden häufig außerhalb der NRW-Grenzen vergeben. Die kritische Masse an Investoren vor Ort solle daher erhöht werden, so die einhellige Meinung – eine landesweit organisierte Start-up-Szene könnte da hilfreich sein.