NRW hat ambitionierte Pläne für die Start-up-Szene – doch die hat klare Anforderungen an die Politik. Und auch andere Länder verstärken ihr Engagement.

Die Start-up-Szene in Nordrhein-Westfalen ließen sich nicht zwei Mal bitten: 230 Anregungen und Vorschläge schickten insgesamt 125 Gründer und Gründungsinteressierte an das Wirtschaftsministerium in Düsseldorf, das dazu aufgerufen hatte. Die Auswertung offenbarte klare Schwerpunkte: 27 Prozent der Einsendungen betrafen die Finanzierung und Förderung von Gründungen, 21 Prozent den Abbau von bürokratischen Hürden und weitere 17 Prozent die Meldepflichten rund um das Start-up-Geschäft.

Der Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP), der vor seiner Ernennung im Sommer die Handelshochschule Leipzig geleitet hatte, hatte für das bevölkerungsreichste Bundesland äußerst ehrgeizige Ziele ausgerufen: In einem Interview vor wenigen Wochen hatte Pinkwart den Begriff des „Rheinland-Valley“ geprägt – in NRW soll vor allem durch die Unterstützung von Hochschulen mehr für Gründer und Gründungswillige geboten werden.

Die Zahlen sprechen dagegen bislang gegen NRW: Gerade einmal Platz fünf konnte sich NRW im aktuellen EY-Start-up-Barometer sichern – in Start-ups mit Sitz in anderen Bundesländern und vor allem in Berlin floss deutlich mehr Kapital

Auch andere Bundesländer stocken auf

Für Aufsehen hatte dagegen die Ankündigung von Pinkwart gesorgt, ab dem kommenden Sommer bis zu 1000 angehende Unternehmer monatlich mit einem Betrag von 1000 Euro unterstützen zu wollen. Noch in diesem Jahr will das NRW-Wirtschaftsministerium zudem ein weiteres Maßnahmenpaket ankündigen, dass insbesondere die Bürokratie für Gründer – von Förderanträgen bis zu Steueranmeldungen – vereinfachen soll. „Damit innovative Ideen in die Tat umgesetzt werden, soll der Staat den unternehmerischen Nachwuchs fördern, nicht behindern“, sagte Pinkwart jetzt.

Mit dem Elan, sich für die Gründerszene in NRW einzusetzen, ist der Wirtschaftsminister nicht alleine. In vielen Bundesländern ist die Start-up-Förderung auf der politischen Agenda nach vorne gerutscht. In Bayern hat Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) bis 2020 eine Summe von 330 Millionen Euro für Start-ups zugesagt, in Niedersachsen sollen vier neue Start-up-Zentren entstehen und in Baden-Württemberg wurde kürzlich ein neuer Wagniskapitalfonds mit staatlicher Hilfe auf 50 Millionen Euro aufgestockt. Zudem nimmt die Digital-Hub-Initiative des Bundes langsam, aber sicher an Fahrt auf – in vielen Bundesländern entstehen Einrichtungen für Start-ups verschiedener Branchen.