Auf der Noah-Konferenz kopieren sich junge und etablierte Unternehmen gegenseitig, die Deutsche Börse traut sich nur halb in die Start-up-Szene und Twitter verkündet einen Machtwechsel. Was in dieser Woche wichtig war.

Berlin präsentierte sich in dieser Woche einmal mehr als Gastgeber der deutschen Start-up-Szene: In der Hauptstadt kamen junge und etablierte Unternehmen zusammen, um über Gründung, Geldprobleme und das künftige Google zu diskutieren. Doch abgesehen von ein paar wenigen ehrlichen Präsentationen wie von Check24-Gründer Henrich Blase beweihräucherten sich Start-ups und Konzernies vor allem selbst – und kopierten ihre Phrasen gegenseitig.

Daran konnten auch namhafte Besucher wie Oliver Samwer, Arianna Huffington und Eric Schmidt wenig ändern. Auch sie schwärmten von ihren eigenen Geschäftsmodellen, erhielten dafür aber viel Applaus. Politiker wie Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel, EU-Digitalkommissar Günther Oettinger und EU-Parlamentspräsident Martin Schulz hingegen mussten sich mit halbleerem Saal zufrieden geben. Angesichts der nicht sonderlich neuen Inhalte verwunderte dies allerdings kaum.

Sigmar Gabriel rief auf der Konferenz einmal mehr eine „neue Gründerzeit“ aus – wie schon so viele Politiker vor ihm. Beim leidigen Finanzierungsthema ist er hingegen gescheitert. Der amtierende Wirtschaftsminister hatte ja wie schon sein Vorgänger intensiv für einen neuen „Neuen Markt“ geworben. Doch die Deutsche Börse wollte nicht, zu tief sitzt offenbar immer noch der Schrecken des damaligen Crashs. Als Ersatz ist nun das „Deutsche Börse Venture Network“ gestartet, hier sollen reifere Start-ups und Investoren zusammenfinden. Manches ist dabei allerdings noch unklar – vor allem die Erfolgsaussichten.

TV-Kampagne bei Getsafe, Studitemps wird international

Doch bei vielen anderen Start-ups läuft das Geld einsammeln derzeit hervorragend. Auch in dieser Woche gab es gleich mehrere Finanzierungsrunden: Während das Kölner Unternehmen Studitemps das Geld in erste Schritte zur Internationalisierung stecken möchte, will das Rocket-Start-up Getsafe mit frischem Kapital der Interhyp-Gründer unter anderem eine TV-Kampagne von Getsafe finanzieren. Außerdem will Wiens sein Team um weitere Versicherungsexperten erweitern.

Auch die Berliner Jung-Unternehmer von Juniqe haben wiederholt Geld eingesammelt: Nach dem Einstieg des Fotodienstleisters Cewe im April, der seitdem Druck und Versand übernimmt, überzeugten Sebastian Hasebrink, Lea Lange und Marc Pohl nun auch die Investoren von Vorwerk Ventures. Gemeinsam mit den Geldgebern Redalpine, dem High-Gründerfonds und Cewe investierten sie fünf Millionen Euro in das Start-up. Schon jetzt schickt Juniqe die Produkte in 14 Staaten und erlöst 40 Prozent des Umsatzes im Ausland.

Zum Schluss einen Blick über den Ozean: Beim US-Kurznachrichtendienst Twitter gab es in der Nacht zum Freitag ein kleines Erdbeben. Nach dem Absturz der Aktie und Dauerkritik von Anlegern ist Geschäftsführer Dick Costolo zurückgetreten. Zum 1. Juli übernimmt zunächst Mitgründer Jack Dorsey vorläufig die Führung. Im ersten Quartal hatte Twitter einen Verlust von 162 Millionen Dollar eingefahren und die eigenen Erwartungen beim Umsatz verfehlt. Das Unternehmen hatte zuletzt 302 Millionen aktive Nutzer und wuchs langsamer als von den Anlegern erhofft.