Das Medizintechnik-Start-up Lime aus Bad Kreuznach ist Sieger des Gründerwettbewerbs der WirtschaftsWoche. Die beiden jungen Gründer tasten sich auf einem komplizierten Markt erfolgreich voran.

Die Freude über den Preis war groß – die Pläne sind noch größer: „Wir wollen einer breiten Masse von Patienten eine regelmäßige Fingertherapie ermöglichen, damit sie schnell in den Alltag zurückkehren können“, sagt Pascal Lindemann, Co-Gründer des Medizintechnik-Start-ups Lime aus dem rheinland-pfälzischen Bad Kreuznach. Gegen eine starke Konkurrenz konnte sich das junge Start-up im diesjährigen Gründerwettbewerb der WirtschaftsWoche durchsetzen.

Lindemann entwickelte die Idee für das Start-up mit seinem alten Schulfreund Dominic Libanio. Bei WiWo Gründer werden die beiden jungen Unternehmer ab sofort in regelmäßigen Abständen in einem Tagebuch von ihrem Gründeralltag berichten, wie es die vorherigen Sieger auch taten. Im ersten Interview berichtet Lindemann, wie die beiden sich aus dem Kinderzimmer heraus einer komplexen Konstruktionsaufgabe annahmen – und wie aus einem Jugend-forscht-Projekt ein ambitioniertes Unternehmen wurde.

Die Idee für das heutige Start-up ist bereits in der Schulzeit entstanden – wie kam es ausgerechnet zu diesem Produkt?

Neben der Schule hat uns vieles interessiert, aber wir wollten die Zeit in etwas sinnvolles stecken. Das Basteln von Robotern war schon früh interessant. Wir wollten gerne den Menschen abbilden – und die Hand ist eines der komplexesten Körperteile. Wenn man sich das komplizierteste raussucht und löst, dann wird man das andere wohl auch noch hinkriege, haben wir uns gedacht.

Und das klappt, so neben der Schule?

Wir haben ganz klein angefangen, mit einfachen Prototypen. Zuerst aus Lego, dann aus Holz und Metall – und dann steigert man sich langsam herein. So kamen nach und nach CAD-Programme und 3D-Drucker dazu. Sehr viel ist learning by doing und man wächst durch die Fehler. Um die Techniken und Technologien zu lernen, haben Bücher und das Internet sehr geholfen. Da findet man wirklich viel.

Wie wurde aus dem Lego-Technik-Modell ein Start-up?

Nach unserem ersten Sieg bei Jugend forscht haben wir uns mit dem leitenden Handchirurgen der Uni Mainz getroffen, um ihm die Idee einer Handprothese vorzustellen. Ziemlich schnell war klar, dass er ein deutlich größeren Bedarf in der Nachbehandlung der Hand sieht. Viele Patienten können nach einer Hand-OP nicht so häufig zum Physiotherapeuten, wie sie sollten. Da könnten wir ansetzen.

Und diese Einzelmeinung hat Sie bestärkt?

Mit einem Prototyp des Therapiegeräts sind wir wieder zu Jugend forscht – und haben im bundesweiten Wettbewerb den dritten Platz belegt. Gleichzeitig standen wir nach unserem Abi da und haben gedacht: Wir haben da jetzt zwei Jahre reingesteckt – was macht man nun? Wir haben dann deutschlandweit mit vielen Ärzten gesprochen, ob man unser Gerät wirklich braucht. Mit dem Feedback, was wir bekommen haben, war klar: Wir müssen gründen.

Ein innovatives Medizinprojekt, entwickelt von zwei Abiturienten. Gab es da nicht viel Skepsis?

Gegenüber den Ärzten lief es sehr gut, aber den Investoren gegenüber war es schwierig. Uns war völlig klar, dass wir absolut keine Erfahrung haben. Gleichzeitig sind wir in einem Bereich unterwegs, der sehr kapitalintensiv ist – und bis zur Zulassung als Medizinprodukt kann man quasi keine Umsätze generieren.

Wieso gibt es Lime trotzdem noch?

Wir haben uns am Anfang Business Angels gesucht, die uns genau bei den Erfahrungen helfen konnten. Mittlerweile haben wir zudem drei Investoren, die uns mit ihrem Hintergrund in wichtigen Bereichen wie der Zulassung, dem Vertrieb und der Internationalisierung unterstützen können.

Und wie läuft es?

Wir sind dabei, das Kapital auszugeben – und konnten bislang alle Planzahlen einhalten. Die nächste Finanzierungsrunde steht dann wahrscheinlich Mitte 2018 an.

Hilft da ein Preis wie der WirtschaftsWoche-Gründerpreis weiter?

Wir sind mit Wettbewerben gewachsen. Am Anfang hatten sie eine sehr große Bedeutung für uns, weil sie einer der wenigen Orte waren, wo wir ehrliches Feedback zu unseren Ideen bekommen haben. Mittlerweile suchen wir uns genau aus, wo wir uns bewerben, weil die Wettbewerbe meist auch enorm viel Zeit verschlingen. Der Wettbewerb der WirtschaftsWoche ist darum ein gigantischer Erfolg für uns. Als wir überlegt haben, wo wir mitmachen, war uns klar: Über einen Erfolg dort würden wir uns am meisten freuen – und gleichzeitig schien es bei der starken Konkurrenz am unwahrscheinlichsten, dass wir ihn gewinnen können.