Neue Gesetze 2018 und ihre Folgen: Im zweiten Teil unserer Serie erklärt das Start-up Penseo, warum es alle Karten auf ein Gesetz zur Betriebsrente setzt.

Wer erfolgreich ins Jahr 2018 starten will, sollte sie im Blick haben: die neuen gesetzlichen Vorschriften. Einige von ihnen haben das Potenzial, ganze Geschäftsfelder umzukrempeln. Welche Vorschriften für Gründer besonders interessant sind, welche Chancen sich hinter drögen Gesetzestexten verstecken können und mit welcher Strategie sich Start-ups diese neuen Märkte erschließen wollen – all das zeigt unsere dreiteilige Serie. Gestern stellten wir FinTecSystems und ihre Hoffnungen auf die zweite Zahlungsrichtlinie PSD2 vor.

Teil Zwei dreht sich um das sogenannte Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG). Es tritt am 1. Januar in Kraft und soll bewirken, dass Beschäftigte häufiger mit Hilfe ihres Arbeitgebers für das Alter sparen. Das Prinzip: Vor allem kleine und mittlere Unternehmen sollen Anreize erhalten, ihren Angestellten mehr Angebote für die Betriebsrente zu machen. Zum Beispiel soll das Risiko der Firmen gesenkt werden, indem sie nicht mehr wie bisher eine festgelegte Rente garantieren müssen.

Für die drei Gründer Sebastian Gauck, Morten Hartmann und Lennart Wulff war das Gesetz ein Grund, ihre Firma zu starten. Mit dem 2017 gegründeten Start-up Penseo wollen sie Betriebsrente digitalisieren – die Firma mit fünf Mitarbeitern will eine Online-Plattform für die betriebliche Altersversorgung (bAV) für andere Start-ups und kleinere Unternehmen vermarkten. Über das Portal übernimmt Penseo alle Verwaltungsaufgaben und verlangt dafür monatlich 2,75% des für den Kunden verwalteten Sparbetrags. Geschäftsführer Sebastian Gauck verrät im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer, welche Chancen das neue Gesetz für sein Start-up bietet.

Durch die neue Regelung verändert sich unser Markt …

… in der Größe. Schätzungen gehen davon aus, dass sich das Sparvolumen in der bAV in den kommenden Jahren bis zu 50 Prozent erhöhen wird. Außerdem sollen neue Verträge in Millionenhöhe entstehen. Deshalb erwarten wir, dass stetig neue Unternehmen in den Markt drängen werden.

Viele Firmen sind unterversorgt mit bAV-Angeboten. Abseits der klassischen Vertriebswege über Versicherungsmakler sehen wir unseren Vorteil. Ein Beispiel: Wenn ein Unternehmen ein Betriebsrentenmodell einführen will, gibt es in der Regel einen Gruppentermin zur ersten Information der Mitarbeiter. Dann gibt es für Interessenten nochmals Einzeltermine. Für Firmen mit vielen Standorten wird dieser Koordinationsaufwand schnell zur Hürde. Deshalb werben wir in erster Linie um solche Firmen mit hohen Einstiegsbarrieren, außerdem um Start-ups und Digitalunternehmen, die sich für digitale Lösungen bei neuen Vertragsabschlüssen interessieren.

In der Diskussion um das neue Gesetz kam sogar die Idee auf, jedem Arbeitnehmer eine Betriebsrente einzurichten – solange er nicht widerspricht. Diese sogenannte generelle Opt-Out-Regelung hätte den Markt noch stärker umgewälzt, was für uns noch positiver gewesen wäre.

Wir profitieren von der neuen Regelung, weil …

… die bAV mehr öffentliche Aufmerksamkeit bekommt. Außerdem erwarten wir, dass es mehr Interessenten geben wird, die eine bAV anbieten beziehungsweise abschließen wollen. Aufgrund der neuen Provisionsregelung in Bezug auf das Sozialpartnermodell – der Betrag wird über die gesamte Vertragslaufzeit gestreckt – wird unserer Ansicht nach das Geschäft für viele Versicherungsvermittler unattraktiv.

Bei der Frage, wie der bAV-Vertrieb künftig gestaltet werden könnte, kommen wir ins Spiel. Aus unserer Sicht wird es zumindest bei der Direktversicherung auf digitale Vermittlung hinauslaufen. Dieses bAV-Modell wird in Firmen mit Abstand am häufigsten genutzt. Und die digitale Lösung bietet mehrere Vorteile. Zum Einen erreichen wir Angestellte einfacher, ohne zeitaufwendige Gruppentermine. Beispielsweise setzen wir auf Chatbots als digitale Kundenberater, stellen Erklärvideos online und zeigen per Fernzugriff auf den Bildschirm, wie die Plattform funktioniert. Zum Anderen wird die Verwaltung von Verträgen digital einfacher. Wenn zum Beispiel der Sparbetrag verändert werden soll, entfällt ein Teil der Kommunikation per Post.

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