Erfolg in 2018: Unsere Serie stellt neue Gesetze und ihre Folgen vor. Zu Beginn erklärt das Start-up FinTecSystems, wie die zweite Zahlungsdiensterichtlinie den Markt für Finanz-Start-ups revolutioniert.

Wer erfolgreich ins Jahr 2018 starten will, sollte sie im Blick haben: die neuen gesetzlichen Vorschriften. Einige von ihnen haben das Potenzial, ganze Geschäftsfelder umzukrempeln. Welche Vorschriften für Gründer besonders interessant sind, welche Chancen sich hinter drögen Gesetzestexten verstecken können und mit welcher Strategie sich Start-ups diese neuen Märkte erschließen wollen – all das zeigt unsere dreiteilige Serie.

Zum Start nehmen wir die Zahlungsdiensterichtlinie PSD II ins Visier. Die europäische Richtlinie tritt im Januar in Kraft und soll unter anderem den Weg freimachen für technische Innovationen im Finanzbereich – dafür soll sich der Markt für bankenunabhängige Fintech-Start-ups öffen. Gleichzeitig will PSD II elektronische Zahlungen sicherer machen und den Datenschutz verbessern – durch neue Überwachungsvorschriften für die Finanzindustrie in der EU.

Das Start-up FinTecSystems bereitet sich intensiv auf die neue Richtlinie vor. Die 2014 gegründete Firma beschäftigt derzeit 30 Mitarbeiter an den Standorten München, Hamburg und Linden. FinTecSystems will die Kreditvergabe neu organisieren und wirbt um Banken, die die Bonität potenzieller Kunden weltweit überprüfen lassen wollen. Gründer und Geschäftsführer Stefan Krautkrämer erklärt im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer, warum 2018 eine neue Zeitrechnung beginnt – nicht nur für sein Unternehmen, sondern für die gesamte Fintech-Szene.

Durch die neue Regelung verändert sich unser Markt …

… in Richtung mehr Wettbewerb und mehr Innovation. Der Fintech-Markt bekommt eine grundlegende Basisregulierung, die einige Geschäftsmodelle überhaupt erst ermöglicht und andere genauer definiert. Bisher wurden Fintechs immer aus dem bankennahen Umfeld herausgehalten, wenn sie nicht durch die deutsche Finanzaufsicht BaFin zugelassen waren. Die PSD II sehe ich daher als Nährboden für die Digitalisierung und für neue Prozesse. Wir bringen zum Beispiel die Kreditvergabethematik zum relevantesten Punkt, nämlich an die Kasse im Laden, wo der Kunde das Liquiditätsproblem hat. Die Finanztransaktion wird dadurch mobiler.

Andererseits bringen die höheren Anforderungen an Datenschutz und Compliance auch Nachteile: Innovationen werden länger dauern und mehr kosten. Den echten Trial-and-Error-Ansatz wird es künftig nicht mehr geben, weil wir neue Produkte schlüsselfertig vorbereiten und prüfen lassen müssen – durch Geldwäsche- und Datenschutzbeauftragte, die Compliance-Abteilung, Wirtschaftsjuristen und IT-Experten.

Als Wirtschaftsinformatiker erlebe ich gerade einen inneren Konflikt: Einerseits teste ich gerne neue Technologien und baue Prozesse auf, was die PSD II grundsätzlich fördert. Andererseits ist absehbar, dass die zusätzlichen Organisationsschleifen unsere Abläufe um ein Vielfaches verlangsamen und verteuern werden.

Wir profitieren von der neuen Regelung, weil …

… wir durch PSD II auf Augenhöhe mit etablierten Banken kommen und endlich als Marktteilnehmer anerkannt werden. Bisher durften wir als Start-up lediglich für Vorträge in Innovationsabteilungen bei Banken herhalten, aber hatten es nicht einfach, uns als Geschäftspartner zu präsentieren.

Von der neuen Richtlinie sind wir direkt betroffen, weil wir sowohl Kontoinformationsdienst als auch Zahlungsauslösedienst sind. PSD II legitimiert nun unser Geschäftsmodell: Wir greifen auf Drittkonten zu, um die Bonität von Bankkunden zu beurteilen. Das Ziel: Kunden sollen bankenunabhängig, schnell und effizient Kredite bewilligt bekommen. Das Prinzip, Kundendaten einer anderen Bank auszuwerten, wird bisher noch gar nicht gelebt. Ich erwarte, dass sich daraus weitere Anwendungsfälle entwickeln: Banken könnten ihren Kunden nach externer Prüfung direkt ein höheres Kreditkartenlimit einrichten oder einen Immobilienkredit freigeben.

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