Nach dem Brexit-Referendum starten die ersten britischen Start-ups die Umzugsplanungen. Die anderen sehen sich bereits nach Alternativen um.

Die Entschlossenheit eint Theresa May und Thomas Schneider, die Richtung trennt sie: Während die britische Premierministerin ihr Land aus der EU führen will, ist Thomas Schneider nach dem Brexit-Referendum in die andere Richtung unterwegs. Der Mitgründer und Chief Investment Officer der Immobilien-Investment-Plattform BrickVest will mit seinem Unternehmen Großbritannien verlassen: „Für mich gibt es kein Argument mehr, in London zu bleiben. Wir müssen in Europa zu Hause sein“, sagt Schneider.

Seit Ende Juni ist Unruhe in die ambitionierte europäische Fintech-Szene gekommen. Der Brexit wird kommen – und könnte einen Exodus von Finanz-Start-ups nach sich ziehen. Einen guten Monat nach dem Referendum zeigt sich: Das Thema sorgt bei vielen Firmen mit Sitz in London für Aufregung, aber nur bei wenigen für Hektik.

Der Online-Überweisungs-Dienstleister Transferwise etwa ist schon seit einiger Zeit in Deutschland unterwegs und bietet auch ein deutsches Call-Center an. Über einen Umzug oder ein eigenes Büro will man aber in der Zentrale nicht spekulieren. „Zu viele Sachen rund um den Breit sind unbekannt”, heißt es freundlich, aber knapp aus London.

Das Beispiel BrickVest zeigt aber, dass die Überlegungen in vielen Fintechs auf Hochtouren laufen – wenn auch die wenigsten aktuell offen darüber sprechen. Das Problem der Fintechs: Aktuell profitieren sie davon, dass sie mit der Lizenz der britischen Finanzaufsicht in der ganzen Europäischen Union tätig sein dürfen – das sogenannte „Passporting“ erleichtert den europaweiten Marktzugang.

Sollte der fintech-freundliche britische Markt aber in Zukunft nicht mehr zu der EU gehören, sind grenzüberschreitende Finanzdienstleistungen nur noch mit einer Lizenz aus einem neuen Land möglich. Eine Alternative wäre höchstens, dass im Zuge der Austrittsverhandlungen das „Passporting“ weiterhin erlaubt bleibt.

Darauf setzt etwa aktuell der junge Zahlungsdienstleister GoCardless seine Hoffnungen. Ein Einverständnis der EU mit Großbritannien, um die Lizenzen weiterhin gegenseitig anzuerkennen, sei durchaus möglich, sagt Ahmed Badr, Head of Legal bei GoCardless: „Das wäre die beste Lösung und wir werden aktiv unser Interesse daran vertreten.“ Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan hat bereits mitgeteilt, dass er sich intensiv für diese Regelung einsetzen will – um die Zukunftsbranche in der Stadt halten zu können.

Nicht nur Berlin im Blick

Für BrickVest soll es dennoch schneller gehen: „Wir haben als Startup von Natur aus schon genug Risiken“, sagt Schneider zum Umzug, „ein solch großes zusätzlich könnte sehr schwierig werden.“