Die britische Gruppe MyOptique übernimmt das insolvente Start-up Netzoptiker – und bläst damit zum Angriff auf den deutschen Branchenprimus Mister Spex.

Das Brillenportal Netzoptiker hat einen Käufer gefunden: Die britische MyOptique-Gruppe erwirbt das insolvente deutsche Start-up. Die Briten wollen nicht nur die Mitarbeiter übernehmen, sondern auch den Kundenstamm. Damit rüsten die Briten im Kampf um den Spitzenplatz zwischen den Online-Optikern auf.

Wie ein Brief von Netzoptiker an seine Kunden zeigt, soll der Geschäftsbetrieb von Netzoptiker „unverändert fortgeführt“ werden. Darin werden die Kunden auch davor gewarnt, dass ihre Daten künftig auch MyOptique Deutschland zur Verfügung stehen. Der Netzoptiker-Gründer Dirk Meier soll bei MyOptique als Berater weiterarbeiten. Das einstige Rocket-Investment Netzoptiker war im September Pleite gegangen.

Der Geschäftsführer von MyOptique, Kevin Cornils, bezeichnet die Übernahme als „strategisch wichtigen Schritt“. Dies ermögliche dem Unternehmen einen „beschleunigten Markteintritt im bedeutendsten Brillen-Markt Europas“. Zu MyOptique gehören die Onlineportale Sungassesshop, Lenson und Glasses Direct.

MyOptique bläst mit der Übernahme zum Angriff auf den deutschen Anbieter Mister Spex. Der nach eigener Aussage führende europäische Onlineoptiker hatte erst am Montag Zahlen vorgelegt und seinen Umsatz demzufolge deutlich steigern können. Statt 47 Millionen Euro setzte Mister Spex im vergangenen Geschäftsjahr 65 Millionen Euro um. Zudem schrieb das Berliner Unternehmen erstmals schwarze Zahlen. Mister Spex will im laufenden Jahr nicht nur die internationale Expansion vorantreiben, sondern auch den Ausbau der Logistik.

MyOptique machte im Geschäftsjahr 2013/14 einen Bruttoumsatz von 42 Millionen Euro. Für das laufende Geschäftsjahr rechnen die Briten mit einem Plus von 50 Prozent.