Nach nur einem Jahr haben sich die Movinga-Gründer zuerst aus der Geschäftsführung zurückgezogen – und nun auch ihre Anteile verkauft.

Nur wenige deutsche Start-ups sind im vergangenen Jahr so rasant und erfolgreich gewachsen. Eine Finanzierungsrunde jagte die andere, am Ende standen 35 Dollar Wagniskapital, unter anderem von Rockets Global Founders Capital. Die Expansion in die USA, nach Skandinavien und in die Beneluxländer stand kurz bevor.

Doch daraus wurde nichts. Im Mai wurde zuerst bekannt, dass die Staatsanwaltschaft gegen das Unternehmen ermittelt. Movinga soll eine EU-Lizenz zum grenzüberschreitenden Warenverkehr gefälscht haben. 150 von 320 Mitarbeitern mussten gehen, die Geschäfte in Großbritannien und Italien wurden eingestellt.

Die beiden Gründer Bastian Knutzen und Chris Maslowski gaben zunächst die Geschäftsführung ab. Nun verkauften sie auch ihre Anteile, die bei mehr als 40 Prozent gelegen haben sollen – wohl für einen symbolischen Wert. Das Portal Gründerszene spekuliert, dass keine hohe Summe floss. Der Grund: Das Start-up verfügt ohnehin nicht mehr über genügend Geld.

Movinga hat in den vergangenen Monaten angeblich 25 Millionen US-Dollar verbrannt – exakt die Summe, die das Start-up in der vergangenen Finanzierungsrunde eingesammelt hatte. Die oft zweistelligen Millionenfinanzierungen dürften auch zu der insgesamt hohen Bewertung des Unternehmens beigetragen haben.

Movinga wurde 2015 von Knutzen und Maslowski gegründet und war zunächst als Start-up geplant, das Studierende vermittelt, die beim Umzug helfen. Nach einem Umzug nach Berlin änderten die Gründer aber das Geschäftsmodell und entwickelten eine Plattform, auf der freie Ladeflächen anderer Umzugsunternehmen gelistet sind.

Denn: Wenn Lastwagen eine Strecke leer fahren, kostet das Geld – vor allem die Kunden. Mit Hilfe eines eigenen Algorithmus wollte Movinga nun die schnellsten und effizientesten Routen ermitteln und ein optimales Netzwerk von Umzugstouren errechnen. Zeitweise war das erfolgreich mit Erfolg.

Movinga setzte im ersten Geschäftsjahr einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag um. Sogar der US-amerikanische Internetkonzern Google wollte investieren, machte dann aber ein Rückzug, als die Ermittlungen gegen das Unternehmen bekannt wurden.

Die beiden Gründer wollen jedenfalls bald ein neues Unternehmen gründen.