Die Finanzierung will das Berliner Start-up nutzen, um Zusatzdienste auszubauen. Dazu gehört unter anderem die Vermittlung von Stromverträgen und Versicherungen.

Mit einem Umzug ist mehr verbunden, als Möbel und Kisten von A nach B zu fahren: Ein Stromvertrag ist nötig, ein Internetanbieter muss her – bei einem Wechsel der Stadt beginnt vielleicht auch die Suche nach einem neuen Fitnessstudio. Das Berliner Start-up Move24 hat sich zum Ziel gemacht, Kunden verstärkt genau solche Verträge zu vermitteln. Für die Umsetzung der Pläne hat der Umzugsdienstleister nun Geld eingeworben: Im ersten Teil einer Series C-Finanzierungsrunde kamen 13 Millionen Euro zusammen.

Angeführt wird die Wachstumsfinanzierung von innogy Ventures. Der Venture-Capital-Arm des Energieunternehmens ist Ende des vergangenen Jahres in den Kreis der Investoren eingestiegen. Geld nachgeschossen haben auch die Bestandsinvestoren Holtzbrinck Ventures, DN Capital, Piton Capital und Cherry Ventures. Hinzu kommen außerdem neue Kapitalgeber, die namentlich nicht genannt werden wollen. Die gesamte Finanzierungsrunde soll in den kommenden acht Wochen abgeschlossen werden. Als Ziel nennt Anton Rummel, Co-CEO von Move24, gegenüber WirtschaftsWoche Gründer einen Betrag von 20 Millionen Euro.

Man wolle künftig alle Dienstleistungen rund um den Umzug aus einer Hand anbieten, sagt Rummel. „Die aktuell schon vorhandene Möglichkeit, den Stromvertrag in Kooperation mit innogy direkt mit umzuziehen, war lediglich der erste Schritt in diese Richtung.“ Seit kurzer Zeit ist es etwa auch möglich, eine Hausrats- oder Haftpflichtversicherung abzuschließen. Das Start-up ist dazu eine Kooperation mit einem großen Versicherungskonzern eingegangen. Derzeit können die Verträge allerdings nur telefonisch gebucht werden. In den kommenden Wochen soll das auch online in einem Kundenportal möglich sein. Geplant ist außerdem eine App für Mobilgeräte.

Break-even für Mitte 2018 geplant

Das Zusatzgeschäft rund um Verträge und Mitgliedschaften sind für Move24 perspektivisch eine wichtige Einnahmequelle. „Wir verdienen aktuell schon mit jedem Umzug Geld“, sagt Rummel. „Die neuen Services werden uns helfen, bis Mitte 2018 auch beim Gesamtergebnis schwarze Zahlen zu schreiben.“ Bereits jetzt hat Move24 eine solide Kundenbasis: Alleine im vergangenen Jahr wurden 50.000 Umzüge vermittelt. Im April hat das Unternehmen außerdem den Erzrivalen Movinga als Partner von Immobilienscout24 abgelöst. Die Unternehmen liefern sich ein erbittertes Duell. Beide werben damit, Umzugsaufträge online abwickeln zu können und günstiger zu sein als traditionelle Anbieter.

Move24 ist in zehn Ländern aktiv. Kernmärkte sind Deutschland, Schweden, Großbritannien und Frankreich. Das Start-up arbeitet aktuell mit 2.000 Umzugsunternehmen zusammen. Ein Großteil des Volumens wird aber von einigen wenigen gestemmt, betont Rummel. Das frische Kapital solle auch genutzt werden, um digitale Werkzeuge für die Partner weiterzuentwickeln. Dazu gehört eine App, in der die Helfer vor Ort Checklisten abhaken und Reklamationen einstellen können. „Bisher sind Umzugsprotokolle auf Papier der Standard“, sagt Rummel. Das Unternehmen arbeitet zudem an einer Software, mit der die Speditionen unter anderem ihre Fahrten planen können.

Das Start-up treibt die Digitalisierung der Prozesse aus gutem Grund voran: Weniger Papier bedeutet einen geringeren manuellen Aufwand für die aktuell knapp 200 Mitarbeiter. Profitieren werden aber auch die Endkunden, verspricht Rummel. Die App für die Umzugspartner etwa ermöglicht es, online zu verfolgen, wo der Umzugs-Lkw gerade ist und wann er  ankommt. Erleichtern will Move24 auch die Auftragsanbahnung. Statt alle Daten in ein Onlineformular einzugeben, sollen Kunden in Zukunft auch ein Foto oder Video ihrer Räume einschicken können. Anhand der Aufnahmen will das Start-up dann den Aufwand abschätzen.