Selbstfahrende Autos? Vor fünf Jahren wäre einem bei dem Stichwort vermutlich nur „Science Fiction“ eingefallen. Heute denken viele sofort an Tesla.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: Heute schreibt Niklas Veltkamp, Mitglied der Geschäftsführung beim Branchenverband Bitkom und dort für Start-ups zuständig.

Das Unternehmen des Internet-Milliardärs Elon Musk hat es geschafft, nicht nur beim Thema E-Mobilität, sondern auch beim autonomen Fahren ganz vorne in die öffentliche Wahrnehmung gefahren zu sein. Doch Europa und auch Deutschland wollen sich in dem Rennen längst nicht geschlagen geben.

Am Donnerstag wird die EU-Kommission ihren Masterplan für das vernetzte Fahren vorstellen, eine europäische Strategie, die die Richtung weisen soll hin zu einer kooperativen, vernetzten und automatisierten Mobilität.

Und in Deutschland wurde kürzlich erst der erste Jahrestag der Eröffnung der Teststrecke auf der Autobahn 9 gefeiert. Zwischen Nürnberg und München erproben Unternehmen erfolgreich innovative Technologien für die vernetzte Mobilität von morgen, etwa für die Car2Car oder Car2Infrastructure-Kommunikation.

Viele Autofahrer warten darauf, dass die Technik im Auto das automatisierte Fahren ermöglicht. Nach einer Bitkom-Umfrage würden 7 von 10 Autofahrern in bestimmten Situationen wie im Stau oder zum Einparken die Kontrolle an den Computer abgeben, jeder fünfte wäre grundsätzlich bereit, seinem Auto im fließenden Verkehr auf der Autobahn die Kontrolle zu überlassen.

Sicher ist: Wir werden künftig andere Autos als heute auf unseren Straßen sehen, intelligentere und vernetztere. Und wir werden vor allem auch weniger Autos sehen, denn der Trend geht dank der Entwicklung zum autonomen Fahren weg vom eigenen Auto, das die meiste Zeit ungenutzt an der Straße parkt, hin zu intelligenten Mobilitätskonzepten, bei denen der Pkw nur noch ein Glied in der Kette ist. Was bedeutet das?

Intelligente, vernetzte Autos – aber auch weniger Autos

Zum einen hat Deutschland bei der Entwicklung intelligenter, vernetzter und selbstfahrender Autos noch immer eine hervorragende Ausgangsposition. Deutschland ist eine Autonation, ihre Hersteller genießen weltweit weiterhin einen hervorragenden Ruf.

Die Entwicklungsabteilungen der großen Konzerne sind in Sachen autonomes Fahren weiter als es manchmal den Eindruck hat. Und das Tempo auf dem Weg zum Auto der Zukunft wird sich in den kommenden Monaten weiter deutlich erhöhen – nicht zuletzt dank des Mobility-Hubs, der in München entsteht.

Maßgeblich daran beteiligt ist der von der Unternehmerin Susanne Klatten geförderte und europaweit führende Inkubator UnternehmerTUM, unterstützt wird der Hub von dem bayerischen Wirtschaftsministerium, dem Bundesverkehrsministerium, der Stadt München sowie dem Digitalverband Bitkom – und mit Daimler, Audi und BMW sind bereits drei große Automobilkonzerne mit an Bord.

Der Hub ist damit auch für Start-ups rund um Mobilität eine hervorragende Möglichkeit, ihre Lösungen zusammen mit den Schwergewichten der Branche zu testen und weiterzuentwickeln.

Zum anderen wird aktuell eine Vielzahl von neuen Mobilitätslösungen von Start-ups in Deutschland entwickelt – trotz der teilweise innovationsfeindlichen Gesetzgebung hierzulande.

So steht verschiedensten Diensten in Deutschland beispielsweise ein veraltetes Personenbeförderungsgesetz entgegen. Der Ridesharing-Dienst Wunder aus Hamburg wurde 2014 als illegal erklärt, seitdem operiert das Start-up nicht mehr auf dem deutschen Markt.  Auch Dienste wie Uber oder Lyft, in weiten Teilen der Welt längst als normales Transportmittel fest etabliert, scheitern bislang an deutschen Regulationen.