Quer durch alle Branchen fehlt es mittelständischen Unternehmen an Kontakten mit Gründern. Dabei würden beide Seiten von einer Zusammenarbeit profitieren.

Über das schwierige Verhältnis zwischen Mittelstand und Start-ups wurde in der Vergangenheit viel berichtet. Darüber, dass einfach nicht zusammenkommt, was doch eigentlich so gut miteinander harmonieren würde.

Schließlich handele es sich doch um eine Win-Win-Situation für beide Seiten, so die Idee: Etablierte Mittelständler, die den Markt kennen, stellen ihr Know-How und ihre Kontakte zur Verfügung  und profitieren ihrerseits von den jungen Start-ups, ihren frischen Ideen und neuesten digitalen Technologien. Eine Traum-Partnerschaft oder nicht?

Ein schwieriges Verhältnis

Was sich in der Theorie gut anhört, sieht in der Praxis anders aus. Die Kluft zwischen etablierten Unternehmen und Start-ups ist nach wie vor groß. Das zeigte jüngst die Technischen Universität München, die im Frühjahr dieses Jahres knapp 700 Führungskräfte zu ihren Erfahrungen im Kontakt mit Gründern befragte. Das Ergebnis stimmte nachdenklich: Hartnäckig verweigere sich ein Teil des Mittelstandes diesem Austausch.

Dieses Problem bestätigt nun auch eine aktuelle Umfrage des Branchenverbandes Bitkom: Quer durch alle Branchen fehle es Mittelständlern an Kontakten mit Start-ups, so das Ergebnis einer Befragung unter 600 Unternehmen. So gaben 61 Prozent der Firmen (ab 20 Mitarbeiter)  an, dass sie überhaupt nicht mit Start-ups zusammenarbeiten. Unter den Mittelständlern mit 50 bis 499 Mitarbeitern sind es sogar noch weniger Kontakte. Etwas besser sieht es bei Unternehmen mit 500 oder mehr Beschäftigten aus: Hier verzichten nur 41 Prozent auf die Möglichkeit sich mit Gründern auszutauschen.

Mehr Offenheit von etlablierten Unternehmen gefordert

Verbreitet sind dabei häufig lose Kooperationen, beispielsweise in Form von Gründerwettbewerben. Immerhin jedes zehnte Unternehmen gab an, mit Start-ups gemeinsam Produkte oder Dienstleistungen zu entwickeln – je größer der Mittelständler, desto wahrscheinlicher ist diese Art der Zusammenarbeit.

Auch finanzielle Beteiligungen an Start-ups steigen mit der Größe der Firma: Während nur sechs Prozent der Unternehmen mit 20 bis 49 Mitarbeitern Start-up-Beteiligungen halten, sind es im Mittelstand mit 50 bis 499 Mitarbeitern bereits 19 Prozent und bei den großen Unternehmen ab 500 Mitarbeitern sogar rund jedes zweite (48 Prozent).

Angesichts der Umfrage-Ergebnisse wünscht sich Bitköm-Präsident Achim Berg mehr Offenheit von Seiten der etablierten Unternehmen: „Gerade der Mittelstand tut sich noch häufig schwer damit, die Digitalisierung aktiv zu gestalten und für das eigene Unternehmen zu nutzen und sollte darum den Versuch wagen, Kooperationen mit Start-ups einzugehen. Es gibt inzwischen fast überall in Deutschland entsprechende Orte und Gelegenheiten der Vernetzung und nicht zuletzt die Digital-Hub-Initiative der Bundesregierung.“