Jedes vierte etablierte Unternehmen will nicht mit jungen Tech-Firmen zusammenarbeiten, zeigt eine Studie. Auf Augenhöhe funktioniert der Austausch nur selten.

Trends erkennen, neue Arbeitsweisen austesten, unternehmerisches Denken fördern: Im Mittelstand finden sich einige Motive, um eine Zusammenarbeit mit Start-ups einzugehen. Mehr als die Hälfte von deutschen Firmen tut dies bereits auch auf irgendeine Art – vom Beschnuppern im Accelerator über technische Partnerschaften bis hin zum Joint Venture.

Das zeigt eine aktuelle Studie der Technischen Universität München, die im Auftrag der HypoVereinsbank durchgeführt wurde (hier geht es zum PDF). Dafür wurden im Frühjahr dieses Jahres knapp 700 Führungskräfte zu ihren Erfahrungen im Kontakt mit Start-ups befragt. Dieser Wert deckt sich in etwa mit anderen Befragungen, die je nach Definition der Zusammenarbeit Anteile zwischen einem Drittel und 60 Prozent nennen.

Die aktuelle Studie zeigt jedoch auch: Hartnäckig verweigert sich ein Teil des Mittelstandes diesem Austausch. Ein Drittel der befragten Firmen hat keine Zusammenarbeit mit Start-ups, ein weiteres knappes Viertel plant dieses auch nicht für die Zukunft.

Unglücklich über schlechte Konzepte

Und auch die Unternehmen, die bereits Erfahrungen in einer Zusammenarbeit gesammelt haben, berichten von Problemen. Am problematischsten sei, dass die Start-ups mit nur unausgereiften Geschäftskonzepten an den Mittelstand herantreten, heißt es in der Studie. Knapp jeder fünfte Befragte bemängelt zudem unerfahrene oder schlecht qualifizierte Start-up-Teams.

Jede sechste Firma stört sich darüber hinaus an spürbaren kulturellen Unterschieden zwischen Mittelstand und Start-ups. „Auch wenn kulturelle Unterschiede nicht als die größte Hürde für die Zusammenarbeit gesehen werden, ist die Kluft zwischen Etablierten und Start-ups für viele Befragte ein Problem“, sagt Isabell Welpe, Professorin für Strategie und Organisation an der TU München und wissenschaftliche Leiterin der Studie. Sie betreffe vor allem das technische Vokabular und den Umgang untereinander.

Zu wenig Ressourcen

Auf der anderen Seite sehen die Mittelstandsvertreter auch Schwächen in der eigenen Organisation: Dazu zählen sie vor allem nicht ausreichende Budgets, um die Zusammenarbeiten anzugehen. Die Abwägung, wie viel Geld und Zeit für die Kooperation mit einem Start-up bereitgestellt wird, fällt manchen Verantwortlichen angesichts der ungewissen Erfolgsaussichten schwer. Dazu kommen Probleme, bei gemeinsamen Projekten die jungen Tech-Unternehmen in die bestehenden Innovationsprozesse einzubinden.

Ungeachtet dieser Hindernisse wirbt Wissenschaftlerin Welpe für einen mutigeren direkten Austausch zwischen etablierten Firmen und Start-ups. Nur so könne die Grundlage für langfristige Kooperationen geschaffen werden: „Strategische Partnerschaften mit Startups oder gezielte Investitionen sind zweifellos für viele Unternehmen wichtige Impulsgeber bei der Weiterentwicklung ihrer Geschäftsmodelle”, so Welpe.