Wen es als Unternehmer in die Alpenrepubliken zieht, der findet in Österreich Bürokratie und in der Schweiz falsche Bescheidenheit – aber auch neue Geschäftsperspektiven.

Von Till Daldrup

Er wurde die Donau runtergespült, sagt Arnim Wahls: Aus seiner Heimat Donaueschingen 700 Kilometer runter nach Wien. Dass er ausgerechnet hier einmal ein Unternehmen gründen würde, hätte er vor wenigen Jahren nicht gedacht. „Ich hatte gerade einen Job in Wien, als mir die Idee für das Unternehmen kam“, sagt Wahls. „Und dann habe ich einfach hier angefangen.“

Seitdem bietet er mit seinem Start-up firstbird ein Softwaresystem für Mitarbeiterempfehlungen an, bei dem Angestellte zu Talentscouts werden und ihrem Chef Bewerber aus dem Bekanntenkreis empfehlen können. Die Entscheidung für den Gründerstandort Österreich hat Wahls nicht bereut. „Hier gibt es eine überschaubare, aber starke Community, in der Gründer schnell persönliche Kontakte knüpfen können.“

Den vergleichsweise kleinen österreichischen Markt sieht er zwar als Einschränkung, aber auch als Chance. „Start-ups sind hier gezwungen, sofort international zu denken und sich über Perspektiven im Ausland Gedanken machen – Österreich dient da oft als Testmarkt.“

Der Blick geht dabei zunächst einmal Richtung Deutschland und Schweiz, aber immer häufiger auch nach Osteuropa. Die Startupmetropole Wien gilt als Tor zur „Central-Eastern-Europe-Region“ – zu Ungarn, Tschechien und der Slowakei. „Viele sind sich gar nicht bewusst, dass die Ukraine näher an Wien liegt als die Stadt Bregenz im Westen Österreichs“, sagt Nikolaus Franke, Professor für Entrepreneurship an der Wirtschaftsuniversität in Wien. „Und auch durch die „K und K“-Monarchie ist die Verbindung nach Osten traditionell stark.“