Das Rostocker Start-up wollte mit seinem Peilsender Fahrraddiebstähle verhindern – die Geräte könnten nun wertlos werden.

Über 300.000 Fahrräder wurden allein im vergangenen Jahr in Deutschland gestohlen – und nicht einmal in jedem zehnten Fall waren die Ermittlungen der Polizei erfolgreich. Ein Start-up wollte dem Problem mit Technik beikommen: Million Hunters aus Rostock hat einen Peilsender vertrieben, der Alarm schlägt, sobald ein Dieb das Fahrrad entwenden will. Sowohl der Besitzer als auch andere Nutzer des Systems haben eine Benachrichtigung bekommen, wenn sie in der Nähe des Bluetooth-Senders waren.

Ein Jahr nach dem Marktstart ist nun Schluss. Wie die „Fahrradjäger“ gestern auf ihrer Facebook-Seite bekanntgaben, werden die Server spätestens zum Jahresende eingestellt. Die App würde dann nicht mehr funktionieren. Der Grund: Das Start-up ist pleite. Voraussichtlich am 1. Dezember werde das Insolvenzverfahren eröffnet, schreibt das Unternehmen. Den Antrag für das Verfahren veröffentliche das Amtsgericht Rostock bereits am 22. Oktober.

Ausbleibende Investoren

„Die Gründe hierfür sehen wir vor allem in einer Unterkapitalisierung der Unternehmung, die uns teilweise zu Kompromissen im Produkt gezwungen hat“, heißt in dem Statement auf Facebook. Das Start-up hofft nun, doch noch einen Investor zu finden. Den Kunden empfiehlt das Unternehmen aber, den Peilsender abzumontieren und vorerst nicht weiter zu nutzen.

Gegründet worden war das Start-up 2014 von Martin Jäger und Steffi Wulf. Der Antrieb: Jäger wurden während seiner Studentenzeit gleich fünf Fahrräder gestohlen. Anschubkapital hat das Duo über eine Crowdfunding-Kampagne bei Startnext eingesammelt. Damals kamen knapp 23.000 Euro zusammen, das Team wuchs. Finanzkräftige Investoren blieben aber offenbar aus. Reich geworden sei man nicht, stellt das Team bei Facebook klar – im Gegenteil: „Wir haben uns allen ein sehr mageres Gehalt gezahlt, um die Unternehmung zu stärken.“

Neustart nach der Insolvenz

Eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne, doch dann bleiben professionelle Investoren aus: Dieses Schicksal teilen die Rostocker mit einer Reihe von anderen Start-ups. So musste im August das Fintech Cringle Insolvenz anmelden und seinen Bezahldienst einstellen. Prominent ist auch der Fall von Miito: Bei Kickstarter hatte das Start-up mehr als 800.000 Euro eingesammelt, zur Produktion des versprochenen Tauchsieders kam es aber nie.

Dass ein Insolvenzverfahren nicht das Aus sein muss, beweist indes der Fall von Monoqi. Das Design-Möbel-Startup hatte im Februar ein Insolvenzverfahren beantragt, zog dieses aber kurz darauf wieder zurück – die Altinvestoren schossen doch noch Geld nach. Dafür mussten allerdings kurz darauf die Gründer und Geschäftsführer abtreten. Ein gängiger Weg aus der Pleite sind auch Übernahmen: So wurde das Fintech Outbank nach der Insolvenz von Verivox gekauft. Der Zug von Locomore fährt nach der Pleite unter dem Dach von Flixbus weiter – und das Smarthome-Start-up Wibutler schlüpfte beim Heizungsbauer Viessmann unter.