Der Konzern Merck will mit einem Accelerator-Programm Start-ups anlocken. Im Interview erklärt der Leiter des Innovationszentrums, wie die Zusammenarbeit funktionieren soll.

Mit dem Pharma- und Chemiehersteller Merck wagt sich ein weiterer Großkonzern an ein Accelerator-Programm. Das Unternehmen will Start-ups mit 25.000 Euro fördern und ihnen drei Monate lang strategisch zur Seite stehen. In dieser Zeit ziehen die jungen Firmen in das Innovationszentrum des Konzerns, das direkt gegenüber der Hauptzentrale in Darmstadt liegt. Die Bewerbungsphase läuft noch bis zum 14. August, am 15. September soll das Programm starten.

Michael Gamber leitet das Innovationszentrum von Merck. Im Interview mit WirtschaftsWoche Gründer erklärt er, was sich das Unternehmen von der Zusammenarbeit erhofft und wie es nach dem Accelerator-Programm für die Start-ups weitergeht.

Herr Gamber, Merck beschäftigt weltweit 4700 Mitarbeiter in der Forschung und Entwicklung. Trotzdem wollen Sie nun innovative Unternehmen mit einem Accelerator-Programm fördern. Reichen die Innovationen aus dem eigenen Haus nicht aus?
Michael Gamber: Doch, durchaus. Sonst wären wir nicht schon seit fast 350 Jahren auf unseren Gebieten erfolgreich.

Warum brauchen Sie dann ein Accelerator-Programm für Innovationen?
Weil das Programm die Definition von Innovation breiter fasst. Wir wollen neue Prozesse und neue Geschäftsmodelle kennenlernen. Das geht weit über das hinaus, was bisher in der Forschung und Entwicklung passiert.

Michael Gamber, Leiter des Innovationszentrums von Merck. Copyright: Lichtbildatelier Eva Speith, Darmstadt.

Michael Gamber, Leiter des Innovationszentrums von Merck.
Copyright: Lichtbildatelier Eva Speith, Darmstadt.

Wie das?
Wir sind ein großer Konzern, in dem eine ganze Menge Prozesse ablaufen müssen, bevor etwas Neues entstehen kann, obwohl wir auch an dieser Stelle gerade sehr viel flexibler werden. Junge Unternehmen aber ticken ganz anders. Von den Start-ups aus unserem Accelerator-Programm erhoffen wir uns, Agilität und Flexibilität zu lernen. Es geht uns primär um einen Kulturaustausch und wir wollen mit dem Programm auch den Puls am Markt der Start-ups fühlen.

Aber wie viel Gründergeist bleibt übrig, wenn ein Großunternehmen wie Merck bei einem Start-up einsteigt?
Uns ist ein Punkt sehr wichtig: Wir sind keine „großen, bösen Haifische“. Mit unserer stillen Beteiligung wollen wir nicht aktiv in Unternehmensprozesse des Start-ups eingreifen, sondern wir verstehen uns als Partner der Gründer: Wir bieten ihnen einen Arbeitsplatz, Mentorenprogramme, Know-how und Geld. Bisher findet das Programm guten Anklang.