Das Technologieunternehmen Merck fördert Start-ups aus den Bereichen Healthcare, Life Science und Performance Materials. Diese sieben sind dabei.

Das Wissenschafts- und Technologieunternehmen Merck hat sieben neue Start-ups in sein Accelerator-Programm an den Standorten Darmstadt und Nairobi (Kenia) aufgenommen, mit dem es junge Unternehmen in der Frühphase ihrer Entwicklung unterstützt.

Während die für den Standort Darmstadt ausgewählten Unternehmen Büroflächen im Innovationszentrum zur Verfügung gestellt bekommen, können die Teams in Nairobi Räumlichkeiten in Mettā Nairobi nutzen. Darüber hinaus werden die an den beiden Programmen teilnehmenden Start-ups von einem Netzwerk aus über 50 000 Experten aus 67 Ländern unterstützt, beraten und gefördert. Zusätzlich erhalten die Teams eine finanzielle Unterstützung in Höhe von bis zu 50 000 Euro.

Therapie von Diabeteserkrankungen im Fokus

Im Fokus stehen hierbei die Bereiche Healthcare, Life Science und Performance Materials. An beiden Standorten widmen sich die Gründer vor allem einer globalen Herausforderung: der Therapie von Diabeteserkrankungen. Obwohl die Teams getrennt voneinander arbeiten, gibt es eindeutige Übereinstimmungen zwischen ihren Geschäftsmodellen: Sie setzen auf künstliche Intelligenz, um Fortschritte auf dem Gebiet der Gesundheitsversorgung zu erzielen.

Bewerbungen aus mehr als 60 Ländern

„Angesichts der großen Zahl erstklassiger Bewerbungen aus mehr als 60 Ländern war es nicht einfach, Start-ups für die fünfte Runde in Darmstadt beziehungsweise die vierte in Nairobi auszuwählen. Im Vergleich zur ersten Accelerator-Runde 2015 stellen wir fest, dass die Digitalisierung heute eine weit größere Rolle in fast allen Bereichen der Gesundheits- und Life-Science-Branche spielt, wodurch den Patienten schnellere und einfachere Behandlungsmöglichkeiten für ihre Erkrankungen zur Verfügung gestellt werden können. Außerdem zeigt sich, dass die Digitalisierung die tägliche Arbeit für Forscher kontinuierlich verbessert“, sagt Michael Gamber, Leiter des Innovationszentrums in Darmstadt.

Diese sieben Start-ups sind dabei:

Start-ups im Darmstädter Accelerator

Oculyze
Die Entwickler des Start-ups Oculyze aus Wildau haben ein mobiles Mikroskop entwickelt, das Wissenschaftlern den Zugriff auf einen einfachen Bilderkennungsdienst ermöglicht – ganz gleich, an welchem Ort auf der Welt sie sich gerade befinden. Das tragbare Mikroskop besteht aus einem optischen Modul, einem Smartphone und einer App mit integrierter Verbindung zu einem Server, auf dem die Bilderkennungssoftware gehostet ist. Das optische Modul wird einfach auf das Smartphone gesteckt und das vergrößerte Bild über die App auf dem Bildschirm dargestellt. Die App sendet das Bild im Anschluss an den Bildanalyse-Server, dort wird es automatisch ausgewertet und die Ergebnisse werden innerhalb weniger Sekunden zurückgesendet.

Living Brain
Living Brain ist ein Start-up aus Heidelberg, das an der Digitalisierung des Rehabilitationsprozesses für Patienten mit neurologischen Problemen arbeitet. Das Team hat eine App entwickelt, mit der Patienten ihre kognitiven Fähigkeiten trainieren können, um Schritt für Schritt ihre Probleme bewältigen zu können. Zukünftig soll die Anwendung auch Übungen für verschiedene Kognitionen enthalten. Dank Living Brain kann Reha auch außerhalb einer Klinik oder Arztpraxis stattfinden.

Labfolder
Labfolder aus Berlin hat ein Tool zum Forschungsdatenmanagement für Labors in Wissenschaft und Forschung entwickelt. Die Technologie von Labfolder vereinfacht die Dokumentation von Laborversuchen sowie die Zusammenarbeit zwischen mehreren Forschern, da mit dem Tool Daten erfasst, verwaltet, analysiert und ausgetauscht werden können. Labfolder verbindet über eine benutzerfreundliche Plattform, auf die per Browser oder mobilem Endgerät zugegriffen werden kann, Daten, Menschen, Geräte und Tools miteinander.

MedicSen
Das Start-up MedicSen aus Spanien will mit seiner Arbeit die Lebensqualität von Diabetes-Patienten verbessern, indem es ihnen ein personalisiertes Hilfsmittel zur Verfügung stellt, das die Funktionen der Bauchspeicheldrüse simuliert. Das Tool soll Patienten dabei helfen, nicht ständig an ihre Erkrankung denken zu müssen, ihre Sorgen zu mindern sowie das Risiko damit verbundener Komplikationen senken. Damit stellt MedicSen eine Revolution in der Diabetes-Behandlung dar. Das Produkt von MedicSen besteht aus einer App und zusätzlichen Modulen wie personalisierten Aktivitäten, Ernährungsplänen und Unterstützung in Form von selbstlernenden Algorithmen zur Vorhersage von Glukosewerten. Für MedicSen ist Diabetes lediglich die erste Station auf ihrem Weg zur Bereitstellung revolutionärer Therapien, denn das Team will Lösungen für weitere chronische Erkrankungen entwickeln.

Start-ups im Accelerator in Nairobi

Coolfinity
Das Team des Amsterdamer Start-ups Coolfinity hat eine innovative Kühltechnologie namens „IceVolt“ entwickelt, mit der Kühlschränke in der Lage sind, Getränke, Lebensmittel oder Medikamente konstant bei 3 Grad Celsius zu kühlen – selbst bei Stromausfällen. Die Technologie ermöglicht eine Kühldauer von 24 Stunden und erfordert dafür lediglich eine Energiezufuhr von vier Stunden. Von besonderer Bedeutung ist dies in Schwellenländern, die häufig von Stromausfällen betroffen sind. Darüber hinaus verfügt der IceVolt-Kühlschrank von Coolfinity über intelligente Funktionen, mit denen er in Echtzeit seinen Standort, die Kühltemperatur und den technischen Status ermitteln und weiterleiten kann.

SophieBot
SophieBot ist ein Start-up, das einen Chatbot entwickelt hat, der mithilfe künstlicher Intelligenz Fragen zur sexuellen Gesundheit beantwortet. Das Team aus Nairobi (Kenia) will das Informationsdefizit zu einem heiklen Thema beheben: der sexuellen Gesundheit. Das Dialogsystem namens Sophie beantwortet in Echtzeit Fragen zu jeglichen Themen rund um sexuelle und reproduktive Gesundheit. Der Bot kann in zahlreiche Plattformen wie Facebook Messenger, Telegram, Twitter und der Android Mobile App integriert werden.

Wellthy Therapeutics
Das Start-up Wellthy Therapeutics aus dem indischen Mumbai stellt Diabetes-Patienten eine digitale Therapie zur Verfügung, die auf künstlicher Intelligenz basiert. Das Programm besteht aus Modulen wie einem persönlichen Gesundheitscoach und einem personalisierten Ernährungsplan und soll dazu beitragen, dass Patienten mehr Informationen erhalten und ihre Blutzuckerwerte auch unterwegs senken können. Der Zugriff auf die Therapie erfolgt digital über eine App. Ärzte können die Technologie gleichermaßen nutzen, um die Behandlung zu unterstützen: über einen in der Patienten-App integrierten Code erhalten sie Zugriff auf die gesammelten Daten.