Ein großen Vorteil des Fremdgehens ist der Blick über den Tellerrand. Denn die verschiedene Berufe setzen verschiedene Sichtweisen voraus. In der einen Tätigkeit bin ich Arbeitgeber, in der anderen Arbeitnehmer. Ich kann sowohl den Rattenschwanz über eine Krankmeldung oder die Verkündung einer Schwangerschaft nachvollziehen, ärgere mich aber auch gleichzeitig über meinen abgelehnten Urlaubsantrag.

Ich bin mir bewusst, dass der Arbeitsalltag, den ich lebe, eine Ausnahme in Deutschland ist und ich sehe es als eine Art Privileg. Trotzdem bin ich überzeugt, dass Menschen viel produktiver und glücklicher im Beruf sein können, wenn sie von diesem einfach mal Abstand gewinnen könnten. Dabei denke ich nicht automatisch an einen Zweitjob – es kann auch ein ausgeprägtes Hobby oder die Familie sein.

Leider stehen deutsche Arbeitgeber Anfragen auf Teilzeit immer noch kritisch gegenüber. Teilzeit gilt als nicht produktiv. In einem Land, wo also schon der Antrag auf Elternzeit als Karrierekiller gesehen wird, das vermeintlich starke Geschlecht Angst hat, diesen einzureichen, wir aber alle angeblich die Work-Live-Balance leben, muss sich anscheinend noch einiges ändern.