Von Marktforschung mittels Supercomputer bis zur personalisierten Werbung in Echtzeit: MediaMarkt-Saturn sucht bei zehn Start-ups nach Inspiration und neuen Geschäftsmodellen.

„Retailtech Hub“ nennt sich das neue Förderprogramm von MediaMarkt-Saturn, mit dem der Handelskonzern in die Kooperation mit zehn Start-ups einsteigt. Die ausgewählten Gründer haben sich gegen mehr als hundert Bewerber durchgesetzt und nehmen nun an einer dreimonatigen Workshop-Phase teil. Während der Zeit läuft ein Pilotprojekt mit MediaMarkt-Saturn, um die Geschäftsideen der Start-ups auf Marktreife zu testen und weiterzuentwickeln. Dafür erhalten die Firmen Zugang zu Kunden, potenziellen Geschäftspartnern, Mentoren und Coaches. Außerdem gibt es Workshops zu Personalthemen, Marketing, Business Development und Operations.

Am Ende des Förderprogramms stellen sich die Start-ups möglichen Geldgebern vor – darunter Entscheidungsträger von MediaMarkt-Saturn und aus der Investoren-Szene. Eine Verpflichtung für Gründer, Anteile an ihren Unternehmen abzutreten, bestehe allerdings nicht. Das Retailtech Hub richtet sich speziell an Tech-Startups entlang der gesamten Wertschöpfungskette des Handels, auch über Consumer Electronics hinaus.

Tür ins Silicon Valley

Beteiligt ist auch der Start-up-Inkubator Plug and Play mit Sitz im Silicon Valley. Er definiert sich als weltweite Innovationsplattform und wirbt damit, jährlich in über 150 Firmen zu investieren. Zu den Vorzeige-Investments gehören bekannte Marken wie Bezahldienst Paypal und Cloud-Speicherdienst Dropbox.

Für MediaMarkt-Saturn ist die Kooperation mit Gründern keine Neuheit: Seit 2015 arbeitet das Handelsunternehmen im Rahmen des Accelerators „Spacelab“ mit Start-ups zusammen. Das neue Förderprogramm gibt es seit August 2017 und ist eine Erweiterung des ursprünglichen Accelerators hin zu einer offenen Plattform für Handelsunternehmen und Start-ups. Im Bereich der Consumer Electronics betreibt die Unternehmensgruppe selbst reine Online-Anbieter wie redcoon und iBood.

Das sind die ersten zehn Teilnehmer am Retailtech Hub:

Combyne aus München will Händlern tiefe Einblicke ins Verhalten ihrer Kunden ermöglichen: Über eine App sollen Nutzer die Kleidung aus ihrem Kleiderschrank mit Artikeln aus Online-Shops kombinieren. Das Outfit wird anschließend der Öffentlichkeit gezeigt, die Kommentare dazu abgeben kann. Die Händler sollen so einfacher lokale Trends erkennen können.

Neuro Flash aus Hamburg nutzt Datenanalyse, um Marketing effektiver zu gestalten. Die Firma hat dafür einen Supercomputer trainiert, die Welt wie ein Mensch zu sehen. Mit diesem Ansatz soll es möglich sein, unterbewusste Meinungen von Konsumenten einzuschätzen und vorherzusagen. Das Start-up geht damit in den Preiskampf mit etablierten Marktforschungsunternehmen.

Rapitag aus München geht mit einem intelligenten Sicherheitsetikett an den Start. Eingesetzt werden soll es zum Beispiel für Bekleidung. Der Kunde zahlt direkt am Regal per App, das Etikett wird daraufhin entsichert und der Kunde kann mit dem Produkt das Geschäft verlassen. Das Werbeversprechen: Kein Wartezeit für den Kunden und Sicherheit für den Händler.

MishiPay aus London beschäftigt sich ebenfalls mit diebstahlsicherer Zahlung am Regal. Das Prinzip: Kunden scannen mit dem eigenen Smartphone das Etikett, bezahlen und verlassen das Geschäft. Das soll ebenfalls das Warten in der Kassenschlange ersparen.

OKIKO aus Mönchengladbach bastelt an einer Online-Bezahlmethode für Kinder und Jugendliche. Einkäufe sollen gefiltert werden, um sicherzustellen, dass nur altersgemäße Artikel dabei sind. Online-Händlern verspricht das Start-up einen sicheren Zugang zur neuen Kundengruppe.

store2be aus Berlin ist eine Online-Plattform, auf der Kunden Aktions- und Verkaufsflächen buchen können – etwa in Einkaufszentren, Einzelhandelsgeschäften oder Fitnesscentern und Kinos. Als Vermittler zwischen Mieter und Vermieter will store2be die Buchung von Flächen vereinfachen.

parcelLab aus München verspricht, den Versand im Online-Handel zu optimieren. Eine Cloud-Anwendung soll Pakete intelligent auf ihrem Weg zum Kunden verfolgen und den Händlern ermöglichen, mit ihrem Kunden auf nach dem Einkauf in Kontakt zu bleiben. So laufe die Kommunikation während des Zustellprozesses nicht mehr nur über Logistik-Dienstleister.

Traxas Media aus Berlin will mit Echtzeit-Werbekampagnen Geld verdienen. In Geschäften oder Außenbereichen sollen Kunden in eine Werbeanimation eingebaut werden. Mittels Echtzeitanalyse unterschiedlicher Körpermerkmale und Standortdaten passt sich die Werbung laufend an ihr Umfeld an und verändert sich. Das Versprechen: Mehr Aufmerksamkeit für die Inhalte und dadurch effektivere Werbung.

Streetspotr  aus Nürnberg arbeitet an einer App, die Herstellern und Händlern direktes Kundenfeedback liefert – mittels Crowdsourcing. Das heißt, jeder Nutzer kann auf der Plattform beispielsweise Informationen zur Verfügbarkeit von Produkten einstellen. Das soll den Firmenkunden ersparen, selbst die Situation vor Ort zu überprüfen. Stattdessen könnten das die App-Nutzer erledigen.

Weview aus München stellt eine Plattform zur Verfügung, auf der Nutzer Produkte per Video bewerten sollen. Die Idee dahinter: Geld verdienen mit Produktempfehlungen. Nutzer erhalten also Testprodukte und präsentieren sie ihren Zuschauern, die direkt im Video einkaufen können.