Bislang können Automaten in Warenlagern nur Paletten, aber keine einzelnen Kartons greifen. Magazino ändert das mit seinen rollenden Blechkollegen.

Die Arbeit im Warenlager gilt als einfach und ist schlecht bezahlt. Seit bald drei Jahren bestreikt die Gewerkschaft Verdi daher den Onlinehändler Amazon, um höhere Löhne für die Arbeiter herauszuholen – bisher allerdings
vergeblich.

Das Münchner Start-up Magazino will nun einen möglichst großen Teil dieser Tätigkeiten durch Roboter
ersetzen. Die ersten der rollenden Blechkollegen arbeiten bei Sigloch im schwäbischen Blaufelden, dem zweitgrößten
Buchverteiler in Deutschland. Gespräche mit weiteren Kunden laufen.

Der Magazino-Roboter Toru greift anders als bisherige Lagerroboter nicht nur nach Paletten sondern hantiert auch mit quaderförmigen Objekten. Das richtige Buch oder die gesuchte Box findet er mithilfe von 3-D und 2-D-Kameras, holt den Gegenstand dann mit einem Greifer aus dem Regal und bringt ihn zur Versandstation, von wo aus er verschickt wird.

„Gerade für Schuhkartons gibt es einen wahnsinnigen Bedarf“, sagt Frederik Brantner,  kaufmännischer Geschäftsführer und Gründer von Magazino, der Siemens als strategischen Investor gewinnen konnte. Die etwa 100.000 Euro teuren Roboter würden sich nach zwei bis drei Jahren amortisieren. „Wir machen
uns um Aufträge keine Sorgen.“

Steckbrief
Gründer: Nikolas Engelhard, Frederik Brantner, Lukas Zanger
Gründung: 2014
Sitz: München
Mitarbeiter: 42
Gesellschafter: Siemens hält 49,9 Prozent der Anteile, die Gründer den Rest
Umsatz: Für 2016 sind eine Million Euro geplant