In deutschen Städten herrscht schwere Luft. Start-ups liefern Ideen, um sie zu säubern – oder um Schadstoffe von vornherein zu vermeiden.

Von Susanne Schwarz

Die neuen Bäume sind eckig und platt. In Dresden gibt es sie schon, in Hannover, in Oslo, in Paris, in Mazedonien und in Hongkong. Aus ihren Flächen sprießt Moos. Sie sollen die Luft in der Betonwüste sauber halten.

So denkt es sich das Berliner Start-up Green City Solutions, das den sogenannten City Tree erfunden hat. Mit der Optik von echten Bäumen haben die City Trees zwar wenig zu tun, doch sie sollen die Luft reinigen, wie es auch ihre natürlichen Pendants tun würden. „Das Moos isst den Feinstaub gewissermaßen auf“, erklärt Tina Hensel von Green City Solutions.

Eine Mooswand zur Luftreinigung

Das Grundprinzip ist seit Jahren bekannt: Moose binden Feinstaub besonders gut, da sie keine Wurzeln wie andere Pflanzen haben, sondern ihre Nährstoffe aus der Luft. Und zu denen gehört Ammoniumnitrat, wie es im Feinstaub vorkommt. Landwirte setzen den Stoff wegen des erhaltenen Stickstoffs als Dünger ein.

Die Idee der Mooswand zur Luftreinigung ist ebenfalls nicht ganz neu, auch andere Firmen installieren ihre eigenen Modelle. Green City Solutions baut in seinen City Trees allerdings noch eine Bewässerungsanlage und ein Überwachungssystem ein, das den Zustand der Pflanzen von allein prüft. Betrieben wird das durch Solarmodule auf den „Bäumen“.

Der Vorteil der Mooswände gegenüber einer normalen Bepflanzung mit Bäumen ist ihre Größe. „Man müsste an der Stelle eines City Trees 275 echte Bäume pflanzen, die sowohl überirdisch Raum brauchen als auch unterirdisch für ihre Wurzeln“, sagt Hensel.

Verschmutzung in Großstädten überschreitet Grenzwerte

Feinstaub trägt stark zur Luftverschmutzung in deutschen Städten bei. Besonders schlimm war im vergangenen Jahr allerdings die Belastung mit Stickoxiden. An mehr als der Hälfte der Messstationen wurden die zulässigen Grenzwerte überschritten – im Grunde sind alle Großstädte betroffen. “Schuld sind in den Städten vor allem alte Diesel-Autos”, sagte Maria Krautzberger, Chefin des Umweltbundesamts, als sie die Werte im Januar präsentierte.

Anders gesagt: Eine Mooswand lindert die Symptome – der Krankheitserreger rollt aber weiter auf der Straße.