Die Digitalisierungseinheit der Fluggesellschaft lobt die dynamische Gründerszene Asiens – und kündigt zudem an, künftig systematisch in Start-ups zu investieren. 

2014 als Digitalisierungseinheit des Konzerns gegründet, expandiert der Lufthansa Innovation Hub (LIH). Derzeit würden zwei neue Standorte aufgebaut – in Singapur und Shenzhen, gab die Fluggesellschaft heute bekannt. Bisher war LIH nur in Berlin ansässig. Zur Begründung hieß es, die asiatische Start-up-Szene sei „mehr denn je Treiber eines grundlegenden technologischen Wandels entlang der genannten Reise- und Mobilitätskette“.

Beide neuen Standorte würden zunächst von Experten des aktuell 32-köpfigen Berliner Teams aufgebaut, erläuterte LIH-Geschäftsführer Gleb Tritus auf Nachfrage von WirtschaftsWoche Gründer. Nach einer „Explorationsphase“ solle dann ein lokales Team aufgebaut werden. „Der asiatische Markt ist so fragmentiert wie speziell“, so Tritus. „Daher ist das erklärte Ziel ganz klar, perspektivisch maßgeschneiderte Lösungen für einzelne asiatische Märkte zu entwickeln.“

Vorzeigeprodukt Airline Checkins

Ebenso wie in Europa sollen die asiatischen Büros breit aufgestellt sein. Zunächst geht es der Fluggesellschaft darum, den Markt zu beobachten und neue Geschäftsmöglichkeiten zu identifizieren. Angegangen werden sollen diese dann durch Partnerschaften mit (jungen) Unternehmen oder durch selbst entwickelte Produkte. Darüber hinaus sollen auch Investments in Start-ups getätigt werden.

Am Berliner Standort hat sich die Lufthansa in den letzten Jahren darauf konzentriert, eigene digitale Produkte zu entwickeln. Das Vorzeigebeispiel ist Airline Checkins. Mit dem Dienst können Reisende sich automatisch einchecken lassen – unabhängig davon, ob sie mit der Lufthansa oder einer anderen Airline fliegen. Auch Kooperationen mit Start-ups wurden angestoßen. Zurückhaltend war der Konzern dagegen lange in Sachen Wagniskapital.

Ein größeres Start-up-Investment gab es erst im Januar diesen Jahres: Beraten vom Innovation Hub, beteiligte sich der Unternehmensbereich Lufthansa Cargo an dem US-Start-up Fleet. Insgesamt hatte die Finanzierungsrunde des Online-Marktplatzes für Frachtdienstleistungen ein Volumen von zehn Millionen US-Dollar. Beteiligt war auch der Logistikkonzern UPS. Darüber hinaus habe man weitere Investments getätigt, die noch nicht kommuniziert worden seien, so Tritus.

„Strukturierte Investmentvehikel“ geplant

Gegenüber WirtschaftsWoche Gründer kündigte der LIH-Chef an, das Tempo in diesem Bereich zu erhöhen: „Wir planen derzeit, sehr konkret die Investmentaktivitäten systematisch auszubauen und sind aktuell dabei, die passenden Rahmenbedingungen – inklusive strukturierter Investmentvehikel – dafür zu schaffen.“ Der Startschuss dafür soll noch in diesem Jahr fallen.

Beendet hat LIH indes eine Kooperation mit Plug & Play, die bis Ende 2017 bestand. Seit Februar ist stattdessen nun die Lufthansa Cargo „Anchor Partner“ des amerikanischen Tech-Accelerators. Von der Innovationseinheit heißt es nun: Die Dynamik im Reise- und Mobilitätsbereich habe sich mittlerweile sehr stark nach Asien verlagert. Zudem guckt LIH nach Israel. Für einen potenziell weiteren Standort sei das Land deutlich interessanter als die USA.