Das Start-up will Vermietern von Ferienunterkünften zu professionellen Onlineauftritten verhelfen – und sie so unabhängiger von Portalen wie Airbnb machen.

Wer abseits der großen Buchungsplattformen Ferienunterkünfte sucht, hat viel Arbeit: Online-Verfügbarkeitskalender sind oft nicht vorhanden oder werden nicht gepflegt, Preise muss man sich mit Hilfe von Saisontabellen mühsam selbst errechnen. Vermieter wiederum sehen sich vielen unspezifischen Anfragen gegenüber – und müssen immer dieselben Fragen am Telefon oder per E-Mail beantworten.

Abhilfe schaffen will ein in Barcelona ansässiges Start-up, das von zwei Deutschen und zwei Italienern gegründet worden ist. Lodgify hat eine Cloud-Software entwickelt, mit der Vermieter auch ohne IT-Kenntnisse eine professionelles Homepage für ihre Ferienunterkunft erstellen können. Integriert ist ein Reservierungs- und Buchungssystem. Gastgeber sollen so ihre Wohnung auch abseits der großen Buchungsportale wie Airbnb oder Booking.com vermarkten können – und deren teils saftigen Provisionen vermeiden.

Gesamtfinanzierung von 5,6 Millionen Euro

Wagniskapitalgeber sehen in der Idee offenbar großes Potenzial: Wie Lodgify heute bekanntgab, hat das Start-up gerade eine Finanzspritze in Höhe von 3,6 Millionen Euro erhalten. Das Geld kommt von den Bestandsinvestoren Nauta Capital, Howzat Partners sowie mehreren Business Angels. Seit der Gründung 2013 hat das Start-up nun 5,6 Millionen Euro an Wagniskapital eingesammelt.

Derzeit zählt die Software, die gegen monatliche Gebühren nutzbar ist, über 3.000 Nutzer, wie Mitgründer Naveen Sharma gegenüber WirtschaftsWoche angab. Dahinter stünden neben Privatvermietern auch Agenturen, die mehrere Objekte verwalten, sowie Pensionen – insgesamt würden über Lodgify deswegen rund 30.000 Unterkünfte vermietet. Das frische Kapital will das Start-up nutzen, um das Team zu vergrößern und die Vermarktung voranzutreiben.

Mögliche Expansion in die USA

Derzeit beschäftigt Lodgfiy über 50 Mitarbeiter in Barcelona. Die Wahl auf die spanische Metropole fiel einst aus pragmatischen Gründen, so Sharma: Einer der Mitgründer sei nach seinem Studium in London dorthin gezogen – und habe für die sonnenreiche Stadt mit vergleichsweise niedrigen Lebenshaltungskosten geworben. „Barcelona hat sich als idealer Standort herausgestellt“, sagte Sharma. „Gerade aus dem Bereich Travel-Tech haben sich eine ganze Reihe von Start-ups dort angesiedelt.“

Angedacht sei nun auch eine Expansion in die USA – denn die Nachfrage ist dort besonders groß. Schwerer tut sich das Start-up noch in der DACH-Region, der Umsatzanteil liegt laut Sharma bei etwa 15 Prozent. Lokalisiert ist die Software zudem für Frankreich, Italien und Spanien.

Mit einem ähnlichen Funktionsumfang wie Lodgify wartet Smoobu, ein  Start-up mit Sitz in Berlin, auf. Beide Unternehmen bieten auch Verknüpfungen zu anderen Plattformen an. So können Vermieter ihre Unterkünfte außer auf der eigenen Webseite auch bei Booking.com, Airbnb & Co. anbieten. Verfügbarkeitskalender werden automatisch synchronisiert.