Im Elevator Pitch der WirtschaftsWoche treten heute die Gründer von LiveEO, Sven Przywarra und Daniel Seidel, an. Ihr Start-up nutzt Satellitendaten, um Firmen bei der Wartung zu helfen. Wie urteilt Investorin Kristin Müller?

Eine halbe Minute mit Investorin Kristin Müller im Fahrstuhl: Wie lautet euer Elevator Pitch?
Weltweit gibt es 20 Millionen Kilometer Schienen, Stromtrassen und Pipelines. Heutzutage müssen Menschen da entlanglaufen, -fahren oder -fliegen um zu schauen, wo etwa Bäume auf die Trassen stürzen könnten oder Erdrutsche drohen. Das kostet viel Geld. Wir überwachen die Netze mit Erdbeobachtungssatelliten automatisch, teilweise fast in Echtzeit. Unsere Software erkennt  beispielsweise, wo welche Art von Bäumen zu nah an der Trasse steht. Und sie errechnet das Risiko, dass sie bei einem Sturm umfallen.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
Wir haben beide Raumfahrt studiert und uns bei einer Raumfahrtkonferenz kennengelernt. Nachdem  wir entschieden hatten, gemeinsam ein Start-up zu gründen, haben wir schnell erkannt, dass es zwar jede Menge neue Satellitendaten gibt, diese aber viel zu selten sinnvoll genutzt werden.

Und wie verdient ihr damit Geld?
Konzerne wie die Deutsche Bahn und E.On testen unseren Service zurzeit. So machen wir schon sechsstellige Umsätze im Jahr. In Zukunft können sie unser Angebot dauerhaft abonnieren.

Eure Kultur ist:
a) perfektionistisch wie bei Apple
b) nerdig wie bei Google
c) gnadenlos wie bei Uber
d) …visionär wie bei SpaceX.

Wie sieht es mit Vielfalt in eurem Unternehmen aus?
Wir haben heute acht Nationen im Team, Mitarbeiter beispielsweise aus Chile, Spanien, Venezuela und
Großbritannien.

Was war euer größter Rückschlag?
Das war und ist die tägliche deutsche Bürokratie. Es dauert, bis man hierzulande eine handlungsfähige  Firma hat. Allein bis man eine Umsatzsteuernummer bekommt, vergehen Monate.

Wo steht ihr in fünf Jahren?
Dann sind wir Europas größte Erdbeobachtungsfirma, überwachen Infrastruktur weltweit und arbeiten auch für Finanz- und Versicherungskonzerne. Auch diskutieren wir hin und wieder, eigene Satelliten ins All zu schicken.

Fakten zum Start-up

Kunden: Fünf Konzerne, darunter die Deutsche Bahn,  50Hertz und die E.On-Netztochter E.DIS
Finanzierung: Gründerstipendien, Preisgelder und  Wagniskapital
Gründung: 2017 in Berlin
Mitarbeiter: 15

Wie urteilt der Profi?

Idee: 4/5
Geschäftsmodell: 4/5
Timing: 5/5

Urteil: „LiveEO entwickelt ein tolles Produkt, das ein echtes Problem löst. Große Konzerne suchen nach Wegen, manuell aufwendige Wartungsprozesse zu digitalisieren, aus dem All oder per Drohne.“
Kristin Müller, Investmentmanagerin beim Bonner Wagniskapitalinvestor High-Tech Gründerfonds

Ihr seid ein erfolgreiches Start-up? Bewerbt euch über innovation@wiwo.de.