Das Berliner Fintech erhält 33 Millionen Euro Risikokapital. Damit will der Vermögensverwalter mehr wohlhabende Kunden erreichen – nicht nur in Deutschland.

Homepage statt Privatbank: Mit einer digitalen Vermögensverwaltung für wohlhabende Privatleute hat das Fintech Liqid seit 2016 nach eigenen Angaben fast 300 Millionen für seine Kunden angelegt. Jetzt investieren neue und alte Investoren 33 Millionen Euro in das Berliner Start-up.

Als neuer, laut Pressemeldug „signifikanter“ Gesellschafter kommt die britische Investmentgesellschaft Toscafund an Bord, die auch die aktuelle Finanzierungsrunde anführt. Weitere Gelder stammen von den bestehenden Investoren, darunter die Risikokapitalgeber Project A sowie Dieter von Holtzbrinck Ventures. Gegründet wurde das Start-up 2016 mit reichlich Unterstützung von HQ Trust, einer von der Familie des BMW-Großaktionärs Harald Quandt gegründeten Vermögensverwaltung. Auch HQ Trust beteiligt sich an der aktuellen Runde. Die Transaktion muss aktuell noch von der deutschen Finanzaufsicht Bafin genehmigt werden.

Man sei bislang „sehr kapitaleffizient“ vorgegangen, betont Geschäftsführer Christian Schneider-Sickert gegenüber WirtschaftsWoche Gründer. Grundsätzlich wolle man das auch in der Zukunft nicht ändern – geplant seien jedoch größere Investitionen in die Kundenakquise und die Weiterentwicklung des Produkts. Zudem soll im nächsten Jahr auch der Gang ins Ausland angestrebt werden. Das Team soll dafür von 45 auf 60 Mitarbeiter anwachsen.

Ringen der Robo-Adviser

Liqid macht dabei vor allem den oft üppig ausgestatteten Abteilungen von Banken Konkurrenz, die sich um wohlhabende Privatkunden und Unternehmer kümmern. Liqid hat diese Kunden im Blick – die Beispielrechner auf der Homepage starten bei der Mindest-Anlegesumme von 100.000 Euro. Dafür will man den Anlegern auch Zugang zu ungewöhnlichen Finanzprodukten geben, wie etwa die Beteiligung an Private-Equity-Deals. Auf eine ähnlich exklusive Zielgruppe, die in Immobilien investieren will, setzt das kürzlich gestartete Linus Capital.

Um normale Anleger buhlen bereits einige Fintechs, für die der Zugang zu Kunden die größte Herausforderung ist. Heute verkündete etwa das Start-up Scalable Capital, eine Kooperation mit der spanischen Banco Santander geschlossen haben – Anleger müssen hier mindestens 500 Euro mitbringen. Andere größere Kooperationen wurden über den Sommer jedoch beendet: Die Hamburger Sparkasse ließ ein Projekt mit dem Start-up Investify auslaufen, die Ing-Diba trennte sich von der Zusammenarbeit mit dem Versicherungsmakler Clark.

Gemeinsam haben alle Anbieter: Mit Softwarelösungen, sogenannten Robo-Advisern, wollen sie den Anlageprozess und die Verwaltung der Gelder automatisierter abwickeln – und versprechen, den Kunden dadurch geringere Gebühren in Rechnung stellen zu können.