Das Berliner Fintech will Profis und wohlhabenden Privatleuten ermöglichen, sich an Bauvorhaben zu beteiligen. Ähnliche Start-ups bearbeiten das Feld bereits.

Die Generalproben haben funktioniert: 55 Millionen Euro konnte der Berliner Investor Linus Capital in den vergangenen zwei Jahren zusammenbringen, um Immobilienprojekte zu finanzieren. Mit einer jetzt gestarteten Plattform sollen die Investments nun auch für professionelle und semi-professionelle Anleger geöffnet werden – und so alleine in den kommenden zwölf Monaten 70 Millionen Euro an Nachrangdarlehen zusammenbringen. „Die Online-Plattform ist der nächste Schritt, diesen Prozess weiter zu professionalisieren“, sagt Geschäftsführer David Neuhoff.

Alleine sind die Berliner mit dem Fokus Immobilienfinanzierung keineswegs. Bergfürst etwa hat sich seit einiger Zeit mit einem Crowdinvestment-Ansatz positioniert, auch Zinsland oder Exporo ermöglichen es Verbrauchern, sich finanziell am Häuserbau zu beteiligen.

Dennoch erkennt Linus Capital für sich vor allem zwei Punkte, in denen sich das Geschäftsmodell unterscheidet: „Bisherige Plattformen treten vor allem als Vermittler auf“, sagt Finanzchef Dominik Pederzani im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer, „das wollen wir gerade nicht sein.“ Das Start-up, selbst von einem Familiy Office mit Finanzmitteln ausgestattet, will 25 Prozent der anvisierten Summe von jedem Deal selbst schultern und als Ankerinvestor auftreten.

Zusammenarbeit auf Augenhöhe angestrebt

Zum anderen ist die Einstiegshöhe deutlich ambitionierter: Während die Crowdinvestment-Plattformen oft bei wenigen hundert Euro beginnen, sollen es bei Linus Capital schon mindestens 200.000 Euro pro Investment sein. Zielgruppe sind damit zum einen wirklich wohlhabende Privatleute, zum anderen die Vermögensverwaltungen von reichen Familien.

Linus Capital wirbt damit, die Risikoprüfung eines Projektes zu übernehmen und sich um die Papierarbeit zu kümmern. Vergüten lässt sich das Start-up diese Arbeit mit einer Gebühr, die sich an der von anderen Vermögensverwaltern orientieren soll. „Immobilienfinanzierung ist ein relativ komplexes Produkt und wir wollen mit Investoren arbeiten, die Investments und deren Risiken umfassend bewerten können“, sagt Pederzani. Das Risiko entspricht der versprochenen Rendite: Sollten Immobilienprojekte scheitern oder deutlich weniger erlösen als geplant, kann das Kapital der Anleger verloren gehen.

Trotz des exklusiven Zirkels an möglichen Kunden hofft das Start-up auf Skaleneffekte. Soweit wie möglich, sollen Kontakt und Abwicklung der Investments über die Online-Plattform laufen. „Wir haben kein riesiges Team und keine riesigen Marketing-Ausgaben, dadurch haben wir eine schlankere Kostenstruktur,  die sich auch in der Rendite unserer Investoren wieder spiegelt“, sagt Pederzani. Aktuell arbeitet das Berliner Start-up mit acht Festangestellten, die überwiegend die Angebote von Projektentwicklern prüfen sollen. 15 bis 20 neue Immobiliendeals plant das Linus-Team für die kommenden zwölf Monate, perspektivisch soll sich die Schlagzahl noch einmal erhöhen.