Im Elevator Pitch der WirtschaftsWoche tritt die Gründerin von Lindera, Diana Heinrichs, an. Mit ihrer Firma will sie Pflegekräfte technisch unterstützen. Wie urteilt Investor Florian Heinemann?

Eine halbe Minute mit Investor Florian Heinemann im Fahrstuhl: Wie lautet euer Elevator Pitch?
Jeden Tag stürzen alte Menschen, sind danach nicht mehr fähig, sich daheim selbst zu versorgen. Mit unserer intelligenten Software können sie ermitteln, wie hoch ihr Sturzrisiko ist und wie sie es senken können. Sie müssen hierzu in einer App auf dem Smartphone einen Test ausfüllen und sich beim Gehen filmen. Das kann natürlich auch eine Betreuungsperson übernehmen. Unsere Software errechnet ein 3-D-Gangbild und analysiert es. Dann empfiehlt sie, welche Muskeln man stärken oder welche Hilfsmittel man nutzen sollte. Es kann auch sein, dass der Arzt die verschriebene Medizin ändern muss.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
Meine Oma konnte bis zum Tod daheim leben. Und meine Mutter hat dabei vieles getan, damit meine Oma nicht stürzt. Da habe ich mich gefragt: Können wir daraus eine technische Lösung für alle machen?

Und wie verdient ihr damit Geld?
Wir waren schon profitabel. Die Krankenkassen zahlen oft das Abo. Denn Stürze sind nach Diabetes für Versicherer einer der größten Kostentreiber bei Menschen, die älter als 65 Jahre sind. Da wir die Software aber nun zum Patent anmelden und das teuer ist, rechnen wir erst im nächsten Jahr wieder mit Gewinn.

Eure Kultur ist:
a) perfektionistisch wie bei Apple
b) nerdig wie bei Google
c) gnadenlos wie bei Uber
d) … unsere Werte sind Einfachheit, Datenschutz und Schnelligkeit. Und wir sind schon etwas technikverliebt.

Wie sieht es mit Vielfalt in eurem Unternehmen aus?
Das Team ist sehr divers mit Datenwissenschaftlern, Pflegekräften und Sozialpsychologen. Und wir sind fünf Frauen sowie sechs Männer.

Was war euer größter Rückschlag?
Ein großer Pflegedienstleister fand unsere App toll, traute seinen Mitarbeitern aber nicht zu, das Smartphone zu bedienen.

Wo steht ihr in fünf Jahren?
Dann helfen wir Menschen weltweit. In Brasilien sind wir immerhin schon aktiv. Und dort ist die Nachfrage enorm.

Fakten zum Start-up

Kunden: 20 Großkunden, darunter Caritas, Malteser, Klinikketten und mehrere Krankenkassen
Finanzierung: Öffentliche Förderung und Wagniskapital
Gründung: 2017
Mitarbeiter: 11

Würde der Profi investieren?

Idee: 5/5
Geschäftsmodell: 3/5
Timing: 4/5

„Die Idee ist spannend. Wie viel sich damit verdienen lässt, hängt am Budget der Versicherer und Pflegedienste. Zudem ist viel Marketing nötig, um Patienten und Angehörige über das Angebot zu informieren.“
Florian Heinemann, Partner der Wagniskapitalfirma Project A und früherer Geschäftsführer bei Rocket Internet