Das Münchener Start-up hat neben anderen die WeChat-Mutter Tencent als Investorin gewonnen. Die Entwicklung des Jets soll beschleunigt werden.

Steiler Aufstieg: Im April hat Lilium mit seinem senkrechtstartenden Elektro-Jet erfolgreich einen Testflug absolviert, nun haben die Münchener frisches Kapital eingesammelt. Satte 90 Millionen US-Dollar – umgerechnet knapp 76 Millionen Euro – sind in Series-B-Runde zusammengekommen. Zu den Investoren gehört der chinesische Online-Riese Tencent, der die populäre Messaging-App WeChat betreibt.

Weitere Geldgeber sind die Privatbank und Vermögensverwaltungsgruppe LGT, der von Skype-Gründer Niklas Zennström ins Leben gerufene VC Atomico sowie Obvious Ventures, gegründet unter anderem von Twitter-Mitgründer Ev Williams. Atomica hatte bereits im vergangenen Jahr zehn Millionen Euro in das Start-up gesteckt. Beteiligt ist zudem Frank Thelen mit seiner Investmentgesellschaft Freigeist Capital, die vormals als e42 firmierte.

„Dieses Investment ist ein ungemein wichtiger Schritt für Lilium. Dadurch haben wir die Chance, den fünfsitzigen Jet Wirklichkeit werden zu lassen“, sagt Daniel Wiegand. Der Geschäftsführer hat das Unternehmen 2015 zusammen mit Sebastian Born, Matthias Meiner und Patrick Nathen gegründet. Um die Entwicklung voranzutreiben, soll auch das Team ausgebaut werden. Bisher umfasst dieses über 70 Mitarbeiter. Man suche weiterhin „die weltweit klügsten und besten Talente für Luftfahrttechnik, Physik, elektrischen Antrieb und Computerwissenschaften“, so Wiegand.

Günstiger als ein Taxi?

Der Marktstart dürfte zwar noch Jahre in der Zukunft liegen. Ein wichtiger Meilensteil war aber der (unbemannte) Testflug im April, bei dem erstmals der Übergang vom Schwebe- in den Vorwärtsflug gelungen war. Das senkrechte Starten hat den Vorteil, dass keine Start- und Landebahnen erforderlich sind. Im horizontalen Flug soll der Elektro-Jet einmal eine Geschwindigkeit von bis zu 300 Stundenkilometer erreichen. Mit einer Aufladung soll eine Flugzeit von einer Stunde möglich sein.

Damit will das Start-up  nicht nur Flüge zwischen Städten, sondern auch innerhalb von Metropolen ermöglichen. So lasse sich die 20 Kilometer weite Strecke zwischen dem Berliner Hauptbahnhof und dem Flughafen Schönefeld in etwas mehr als fünf Minuten zurücklegen. Die Vision: Lilium strebt an, dass die Flüge weniger kosten als eine Fahrt mit einem normalen Taxi.

Ähnliche Ziele verfolgt Volocopter. Das Start-up entwickelt einen elektrisch betriebenen Multicopter, der autonom fliegt. Jüngst hat das Unternehmen eine Finanzierungsrunde über 25 Millionen Euro abgeschlossen. Unter den Investoren ist der Autokonzern Daimler.