Produkt und Idee des Social Start-ups Kuchentratsch schmeckten den Löwen vorzüglich. Wie es für Katharina Mayer nach der Sendung weiterging, erzählt sie im Interview.

Als der Kuchen aufgetischt wurde, begannen die Augen der Löwen zu leuchten. Aber nicht nur der schmeckte der Jury, auch die Geschäftsidee von Kuchentratsch-Gründerin Katharina Mayer kam bei den potentiellen Investoren sehr gut an.

Das Social-Start-up Kuchentratsch beschäftigt 35 Senioren, die in der Münchener Backstube Kuchen backen. So bekommen sie die Gelegenheit sich ein kleines finanzielles Zubrot zu verdienen und vor allem Kontakte zu knüpfen. Die fertigen Backwaren werden an Münchner Cafés und über den eigenen Onlineshop an Firmen und Privatkunden geliefert.

Von den Löwen erhoffte sich die ausgebildete Hotelfachfrau und studierte BWLerin Katharina Mayer in der gestrigen Sendung ein Investment von 100.000 Euro, um mit dem Geld die Versandverpackung und den Onlineshop zu optimieren. Als Beteiligung bot sie zehn Prozent des Unternehmens. Dagmar Wöhrl und Carsten Maschmeyer zögerten nicht lange und entschieden sich für ein gemeinsames Investment.

Wie es nach der Aufzeichnung der Sendung weiterging, erzählt Katharina Mayer im Interview.

Frau Mayer, Kuchentratsch ist ein sogenanntes Social Start-up, also ein Unternehmen, das sich auf die Fahnen geschrieben hat, Gutes zu tun. Fühlten Sie sich mit diesem Ansatz als Exotin in der Höhle der Löwen?
Tatsächlich war ich vor dem Pitch etwas ängstlich, weil unser Konzept im Vergleich zu vielen anderen Unternehmen, die sich dort präsentieren, etwas ungewöhnlicher ist. Gleichzeitig habe ich mich auf die Herausforderung gefreut zu zeigen, dass finanzieller Erfolg und soziale Wirkung Hand in Hand gehen können.

Nachdem der Kuchen verkostet und für sehr gut befunden wurde, kam Frank Thelen mit der Frage nach dem Umsatz dann auch gleich zur Sache. 
Das hat mich nicht überrascht. Ich hatte vor unsere Präsentation durch Zufall mitbekommen, wie die Löwen über unser Start-up gesprochen haben. Frank Thelen sagte etwas wie: „Oh , schon wieder so ein Café-Ding“. Mit der Frage nach den Zahlen wollte er wohl direkt abklären, wie ernst er uns nehmen kann.

Die Zahlen, die Sie ihm präsentiert haben, haben ihn dann auch sichtbar überrascht.
Ich erlebe immer wieder, dass wir mit unserem Start-up unterschätzt werden. Die Faktoren Kuchen, Omas und eine blonde, weibliche Gründerin führen wohl bei einem Großteil der Leute in der Branche dazu, dass man erst einmal nur belächelt wird. Nur zehn Prozent der Gründer sind Frauen, darum ist die Start-up-Welt männlich geprägt und man muss sich als Frau besonders durchsetzen, beweisen, dass man die nötige Kompetenz mitbringt – und manchmal eben auch sofort harte Zahlen auf den Tisch legen.

Das haben Sie in der Höhle der Löwen getan. Gleich zwei Löwen, nämlich Dagmar Wöhrl und Carsten Maschmeyer, konnten Sie von Ihrem Konzept überzeugen. Waren das Ihre Wunsch-Investoren?
Wir hatten ehrlich gesagt keine Wunsch-Löwen, da wir im Vorfeld gar nicht mit dieser Begeisterung gerechnet hatten. Ich finde die Kombination aus diesen beiden Investoren aber optimal, denn sie sind nicht nur als Menschen sehr verschieden, sondern bringen auch unterschiedliche Kompetenzen mit.

Wie läuft die Zusammenarbeit denn aktuell?
Mit beiden Löwen haben wir uns viele Gedanken um das Marketing gemacht und uns in den vergangenen Wochen zusammen mit der Familie von Dagmar Wöhrl vor allem unserem neuesten Baby gewidmet: Ein Backbuch mit Rezepten unserer Omas und Opas, das es ab heute bei Thalia und Hugendubel zu kaufen gibt.

Unter Münchener Rentnern haben Sie mittlerweile einen Ruf. Müssen Sie schon Assessment-Center veranstalten, um die Flut an Anfragen zu bewältigen?
So schlimm ist es noch nicht, aber wir haben tatsächlich einen mehrstufigen Einstellungsprozess. Zunächst kommen die Kandidaten vorbei, schauen sich um, stellen ihre Fragen und sehen sich das Ganze einmal an. Wenn sie sich danach vorstellen können, dabei zu sein kommen sie nochmal vorbei und backen ihren Lieblingskuchen. Dabei geht es weniger um das Backtalent, denn das kann man ja lernen, sondern mehr um die Frage, ob sie die SeniorInnen bei uns wohlfühlen und zuverlässig sind. Nicht alle unsere Mitarbeiter backen übrigens, manche packen auch die Pakete mit den Kuchen für den Versand mit der Post und andere übernehmen die Auslieferung der Kuchen innerhalb Münchens.

Wer bestellt ihren Kuchen?
Wir verschicken und beliefern jeden Monat in etwa 100 Kuchen an Privatpersonen zu Anlässen wie Geburtstage und Hochzeiten, aber den Großteil des Umsatzes machen mittlerweile Firmenkunden aus. Bertelsmann hat jüngst 500 Kuchen an Kunden nach Dubai liefern lassen, Studiosus 750 Kuchen als Marketing-Aktion an Reisebüros schicken lassen und die Steigenberger Hotels stellen ihren Gästen unsere Kuchen als Geschenk auf die Zimmer. Da müssen unsere Omas und Opas drei Tage richtig ranklotzen, um so eine große Bestellung abzuarbeiten.

Wie sieht die Zukunft von Kuchentratsch aus? Gibt es bald Niederlassungen in anderen Städten?
Der Fokus liegt momentan erst einmal auf dem Post-Versand. Nächstes Jahr wollen wir das auch in der Schweiz und in Österreich anbieten. Aber natürlich kann ich mir vorstellen, dass wir eines Tages auch in anderen Städten präsent sind. Wir schauen uns in den kommenden Monaten an in welchen Städten wir besonders viele Bestellungen erhalten, um herauszufinden welcher Standort sich für uns rentieren könnte. Aktuell suchen wir aber erst einmal nach einer größeren Backstube hier in München. Zwischen 500 und 2000 Quadratmeter dürften es schon sein, so dass noch mehr Omas und Opas Platz zum Backen finden.