Der Aufliegerhersteller aus dem Münsterland will digitale Geschäftsmodelle aufspüren. Die Logistikbranche kommt langsam in Fahrt.

Eine digitale Direktverbindung von Münster nach Berlin: Mit diesen beiden Standorten will der Aufliegerhersteller Schmitz Cargobull im ersten Quartal des kommenden Jahres sein eigenes Start-up Kubikx starten. Das gab das Unternehmen in dieser Woche bekannt. Bis zu 15 Mitarbeiter sollen für die agile Ausgründung arbeiten und nach neuen Geschäftsmodellen in den Bereichen Flottenmanagement, Transport- und Logistikprozessen suchen.

Das Start-up soll dabei auch für andere Auftraggeber als Schmitz Cargobull tätig werden – das Traditionsunternehmen hofft jedoch auf eine gute Lkw-Ladung an frischen Impulsen. „Die Dynamik des Start-ups soll auch unserem Kerngeschäft neue Impulse und zusätzlichen Schwung verleihen“, sagt Vorstandsvorsitzender Andreas Schmitz.

Branche startet mit Verzögerung

Mit dem eigenen Start-up fährt Schmitz Cargobull in der Spur der Branche. Die Logistik- und Transportbranche, die in Deutschland neben einigen Konzernen vor allem aus zahlreichen kleinen Unternehmen und Speditionen besteht, tat sich lange schwer mit ersten Schritten hin in Richtung Digitalisierung. „Viele Logistiker tun sich schwer, mit dem Tempo der Digitalisierung Schritt zu halten. Start-ups hingegen sind flexibel und müssen nicht auf gewachsene Strukturen Rücksicht nehmen“, sagte Max-Alexander Borreck, Principal bei der Unternehmensberatung Oliver Wyman, Anfang des Jahres.

In einer Studie hatte die Beratung die Bemühungen der Branche unter die Lupe genommen. Weltweit zählten sie in zehn Jahren elf Milliarden Euro an Finanzierungen für Logistik-Start-ups. In Deutschland waren es laut der Beratung Anfang des Jahres etwa 30 Start-ups in diesem Umfeld. „Der Austausch mit deutschen Logistikunternehmen findet bisher wenn überhaupt nur sehr zögerlich statt“, kritisierte Borreck. „Das kann langfristig zu einem Wettbewerbsnachteil für den Standort Deutschland werden.“

Im Laufe des Jahres wurden jedoch auch hierzulande einige Bemühungen sichtbar. Die Deutsche Post sorgte mit dem Erfolg ihres Elektro-Transporters für Aufsehen und intensivierte die Suche nach anderen passenden Start-ups, die Deutsche Bahn investierte in Start-ups, die sich auf die genauere Ortung für Kuriere spezialisierten. Der Blick der Branche weitet sich – schließlich könnten in Zukunft auch Drohnen für den Transport in Fragen kommen.