Eine Studie des Bundesverbands Deutsche Startups belegt, wie wenig sich Gründer von Politik und Gesellschaft verstanden fühlen. Unzufrieden sind sie mit dem Schulsystem.

Es gab eine Zeit, da wirkten Bundesregierung und Berliner Start-up-Gründer wie beste Freunde. Im Frühjahr 2013 traf sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Berliner Kulturbrauerei mit 200 Internet-Gründern. Mit dem früheren Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) duzte man sich, flog ins kalifornische Silicon Valley und schmiedete gemeinsam Pläne, der wiederum schuf mit dem Beirat „Junge Digitale Wirtschaft“ ein Forum für Internet-Start-ups beim Bundeswirtschaftsministerium.

Inzwischen scheint die Begeisterung Nüchternheit gewichen zu sein. Oder, positiv formuliert, die Beziehungen sind inzwischen so stabil, dass sie mehr Kritik vertragen. „Erwartungen nicht erfüllt“ urteilte der Bundesverband Deutsche Startups (BDS) beispielsweise, als die Regierung im August ihre „Digitale Agenda“ vorstellte. Auch an dem Entwurf für ein neues Kleinanlegerschutzgesetz üben die Gründervertreter deutliche Kritik, weil es die „Interessen der Startups nicht berücksichtigt“, sondern Crowdfunding und Crowdinvesting erheblich behindere.

Jetzt, pünktlich zu seinem zweiten Geburtstag, zündet der BDS die nächste Stufe. Zusammen mit der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht hat er rund 900 innovative und / oder schnell wachsende Start-ups im “Deutscher Startup Monitor” befragt. Dazu, wie sie an Start- und Wachstumskapital kommen, wie sie Mitarbeiter motivieren und wie sie ihre wirtschaftliche Lage einschätzen. Und er hat sie um ihre Meinung gebeten. Klares Ergebnis: Deutschlands Gründer sind von der Politik ziemlich enttäuscht.

Was Deutschlands Start-ups von der Politik halten. Quelle: DSM / Bundesverband Deutsche Startups 2014

Was Deutschlands Start-ups von der Politik halten. Zum Vergrößern in neuem Fenster bitte anklicken. Quelle: DSM / Bundesverband Deutsche Startups 2014

Wenn es beispielsweise um die Förderung des Gründerstandorts Deutschland geht erhalten Bundesregierung und Landesregierungen die Note ausreichend. Nur jeder fünfte Start-up-Gründer fühlt sich von der Politik „gut“ (17 Prozent) oder „sehr gut“ (3 Prozent) verstanden – die Hälfte bewertet das Verständnis seitens der Politik mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“.

Dazu passt, wie unzufrieden Deutschlands Start-ups mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen sind: Knapp die Hälfte der Befragten sehen sich durch die Datenschutzbestimmungen ausgebremst. Vier von zehn Gründern beklagen außerdem, dass es nach wie vor schwierig sei, Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten zu beschäftigen – obwohl diese aus Sicht des BDS gebraucht werden, um „die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken“.

Besonders harte Kritik üben die Gründer am deutschen Bildungssystem: Wenn es um die Vermittlung unternehmerischen Denkens und Handelns empfinden sie deutsche Schulen als „mangelhaft“. Vielleicht erklärt das auch, warum Jungunternehmer in Deutschland viel Angst vor dem Scheitern haben: Fast zwei Drittel der Befragten schätzen die „Toleranz der Gesellschaft gegenüber Fehlern und Scheitern“ als „niedrig“ (16,9 Prozent) oder „eher niedrig“ (46,6 Prozent) ein. Immerhin: Der „soziale Status“ von Gründern wird von fast 40 Prozent der Gründer als „hoch“ oder „eher hoch“ eingeschätzt.

Es bleibt abzuwarten, ob die Ergebnisse der Studie in den Papierbergen der Politik verschwinden oder ob sie etwas verändern. Bundeskanzlerin Angela Merkel sollte sie jedenfalls gut kennen: „Mit dem Deutschen Startup Monitor“, hat sie ins Grußwort zur Studie geschrieben, „haben wir die Belange von Start-ups noch besser vor Augen.“


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