Viele Start-ups setzen auf Kooperationen mit ihresgleichen. Ist das eine kluge Strategie oder die Verdopplung aller Probleme?

von Katja Scherer

Blumen gehen immer. Das dachte sich wohl das Kunst-Start-up Juniqe und hat mit dem Online-Blumenhändler Bloomy Days eine gemeinsame Kollektion entworfen – pünktlich zum Valentinstag. Poster, T-Shirts, Kissen und Notizhefte in schlichtem Design, bedruckt mit flotten Sprüchen und natürlich Blumen. „Mit den neuen Produkten lernen die Kunden von Juniqe unser Angebot kennen und umgekehrt“, beschreibt Bloomy Days-Marketing Managerin Franziska Sandow die Vorteile der Aktion. Der Gewinn ist also nicht nur finanzieller Art. Vor allem geht es um eine Währung, die für Gründer viel wichtiger ist: Aufmerksamkeit.

Kooperationen dieser Art sind in der Start-up-Szene daher beliebt. Die Probleme, vor denen Gründer stehen, sind oft die gleichen: gutes Marketing ist teuer, das Vertrauen der Kunden rar gesät und der Aufbau neuer Vertriebskanäle zeitaufwändig. Also hilft man sich gegenseitig: Manche Gründer wie Bloomy Days und Juniqe entwickeln neue Produkte, andere legen beim Versand ihrer Ware Kataloge von Partnern bei oder sie nehmen gar deren Produkte in ihren Online-Shop auf. Als ein Vorreiter dieser Art von Marketing gilt der Versandhändler MyMüsli. Schon 2010 brachten die Passauer Gründer ein Müsli gemeinsam mit dem Rezeptportal Eatsmarter.de heraus, das beide bei ihren Nutzern offensiv bewarben.

Viel Reichweite für wenig Geld

Start-ups können also mit vereinten Kräften viel Geld sparen: Wer die Netzwerke seiner Partner nutzt, bekommt für wenig Geld viel Reichweite. Das gilt auch für Bloomy Days und Juniqe. Bisher sei es noch nicht möglich, die Zahl der neu gewonnenen Kunden genau zu benennen, da die Verkäufe rund um den Valentinstag sowieso höher seien als in anderen Monaten, sagt Sandow. „Aber wir sehen am Feedback in den sozialen Netzwerken, dass die neue Kollektion sehr gut angenommen wurde.“

Die Idee dafür entstand im vergangenen Oktober, die Partnerwahl war kein Zufall: Bloomy Days-Gründerin Franziska von Hardenberg und Juniqe-Gründerin Lea Lange sind befreundet und auch die strategischen Gemeinsamkeiten liegen auf der Hand. Beide Start-ups sprechen eine an Deko und Lifestyle interessierte Zielgruppe an, beide setzen auf ein schlichtes, junges Design. Schon nach wenigen Sitzungen stand das erste Konzept.