Die Elite der deutschen Start-up-Szene setzt auf virtuelle Kooperation – mit dem BuildersNetwork. Wer sich darin tummelt und wie sich die Mitglieder gegenseitig helfen.

In einer ehemaligen Schlachterei in Berlin-Pankow, Typ schönes altes Backsteingebäude, residiert neuerdings Christian Vollmann. Der 38-Jährige ist in der Start-up-Szene der Hauptstadt etabliert: Er war unter anderem Ende der Neunzigerjahre Praktikant bei Alando, der ersten Gründung von Oliver Samwer. Später hat er etwa den Video-Dienst MyVideo und die Partnerschaftsbörse eDarling gegründet.

„Mit Nebenan.de vernetzen wir jetzt Nachbarn online“, sagt Vollmann. „Dabei geht es um in sich geschlossene Nachbarschaften auf unserer Plattform, in denen wirklich nur die Anwohner eines entsprechenden Kiezes aktiv werden können – das ist ein riesiges Potenzial.“ Das sehen Investoren offenbar ähnlich: Nebenan.de hat kürzlich bei einer Finanzierungsrunde 5,5 Millionen Euro eingesammelt – unter anderem vom Burda-Verlag.

Um das Potenzial von Nachbarschaften zu heben, wächst Vollmann so schnell wie möglich. Seit der Gründung vor gut einem Jahr hat er bereits 25 Mitarbeiter an Bord. Als das alte Büro im Januar zu klein wurde, veröffentlichte er eine Suchanfrage im BuildersNetwork, einer Start-up-Gruppe in dem Kommunikationstool Slack. Innerhalb weniger Tage erhielt er den Tipp für seine jetzige Residenz als Untermieter beim Rocket-Möbelversender Home24 – und kann sogar noch sein altes Büro für die Restlaufzeit des Vertrages untervermieten. „Und das mit ein paar Klicks in der Slack-App und ganz ohne Immobilienmakler“, schwärmt Vollmann.

BuildersNetwork ist ein bisher geheimes Start-up-Netzwerk in Deutschland: Die digitale Elite der deutschen Gründerszene trifft sich nämlich nicht mehr nur auf Konferenzen oder in Verbänden. In einer streng kontrollierten Slack-Gruppe hat sich die Elite der deutschen Gründer, Kapitalgeber und Experten zusammengeschlossen.

Mit dem BuildersNetwork ist die Start-up-Szene sozusagen auf dem nächsten Reifegrad angekommen. Schon in den vergangenen Jahren hat sich in der Hauptstadt etwas entwickelt, das es sonst nur – wenn auch viel größer – im kalifornischen Silicon Valley gibt: eine umfangreiche und ständig wachsende Szene.

Sie besteht aus Unternehmensgründern, Investoren und Inkubatoren, also Helfer, die Firmen ausbrüten. Allein in Berlin buhlen nach Schätzung des Bundesverbands Deutsche Startups mehr als 2500 Jungunternehmen um Investoren, Aufmerksamkeit und Kunden; landesweit sollen es rund 6000 sein.

Befeuert wird der Nachschub an Ideen und Neugründungen durch Start-up-Schmieden, wie sie etwa die Brüder Oliver, Marc und Alexander Samwer mit Rocket Internet ins Leben rufen. Vor allem Rocket ist längst einer der wichtigsten Antriebsmotoren für die Szene. „In Berlin gibt es inzwischen so etwas wie die Rocket-Mafia“, sagt Christian Miele, Finanzier beim Risikokapitalgeber E.ventures mit Sitz in Hamburg.

Damit spielt Miele an auf die sogenannte Paypal-Mafia in den USA. So nennt die Internet-Szene ironisch die Gründer des gleichnamigen Online-Bezahldienstes; zu ihnen gehören der gebürtige Deutsche Peter Thiel sowie die Amerikaner Reid Hoffman und Elon Musk. Sie steckten nach dem Verkauf von Paypal an das Online-Handelsportal Ebay für rund 1,5 Milliarden Dollar im Jahr 2002 ihr Geld in weitere Neugründungen.