Mitfahrgelegenheit für den öffentlichen Nahverkehr: Das junge Joint Venture Via Van und die Berliner Verkehrsbetriebe wollen jetzt mit Ride-Sharing durchstarten.

In ihrem ersten Kooperationsprojekt schicken die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und Via Van ab jetzt Kleinbusse auf die Straßen der Hauptstadt. Die Vans sind als Mitfahrgelegenheiten mit dem Namen „BerlKönig“ unterwegs – so erproben die Unternehmen das sogenannte Ride-Sharing im öffentlichen Raum. Das Projekt soll zwei Jahre dauern und hat nun nach einigen Monaten Vorlaufzeit eine Genehmigung im Rahmen der Experimentierklausel des Personenbeförderungsgesetzes erhalten, wie die BVG heute mitteilte.

An der Seite der Berliner Nahverkehrs-Experten steht mit Via Van ein Zusammenschluss zweier internationaler Größen in der Mobilitätsbranche: Mit dem Joint Venture mit Standorten in Berlin, London und Amsterdam haben sich das 2012 gegründete Tech-Start-up Via aus New York und die Van-Sparte des Autokonzerns Daimler, Mercedes-Benz Vans, verbündet. Die zunächst 50 Fahrzeuge im Einsatz kommen ebenfalls von Mercedes-Benz. Nach und nach soll die Flotte auf bis zu 300 Kleinbusse aufgestockt werden.

Shuttle auf Bestellung

Unterwegs sind die Vans freitags und samstags in der Nacht und am frühen Morgen und sammeln Fahrgäste innerhalb des östlichen S-Bahn-Rings ein – zum Beispiel in Kreuzberg, Friedrichshain, Mitte und Prenzlauer Berg. Das Angebot soll die bestehenden öffentlichen Verkehrsmittel ergänzen und nach der ersten Testphase in einen täglichen Betrieb rund um die Uhr gehen. Um die Fahrstrecke der Kleinbusse zu optimieren, kommt die Technologie des New Yorker Start-ups Via ins Spiel. Wer mitfahren will, gibt Start- und Zielort in einer App ein – ein Algorithmus im Hintergrund plant und bündelt dann die Fahrten.

Mit Fahrgemeinschaften in Echtzeit soll der Verkehr auf den Straßen entlastet und CO2-Emissionen reduziert werden. Nach den Firmenangaben besitzen 80 Prozent der Flottenfahrzeuge derzeit einen Elektroantrieb. „Wir sind überzeugt, dass sich der Service in Berlin und bald auch in anderen Städten schnell etablieren wird. Wir haben hier gemeinsam die Chance, unser Konzept – umweltfreundliche und nachhaltige Mobilität in Kombination aus intelligenten Algorithmen und moderner Fahrzeugtechnologie – kontinuierlich weiterzuentwickeln und in Europa zu etablieren“, lässt sich Dirk Reimelt, Senior Manager Shared Mobility & Transportation von Mercedes-Benz Vans, in einer Pressemitteilung zitieren.

Finanzspritzen für Mobilitäts-Start-ups

Mobilitätslösungen sind derzeit hoch im Kurs bei Investoren: Erst Mitte der Woche hat das Software-Start-up Wunder eine Finanzierung in Höhe von 26 Millionen Euro verkündet. Die Hamburger wollen in Deutschland stark wachsen und sich auf Software, Hardware sowie Dienstleistungen für das Flottenmanagement und Carpooling konzentrieren. Ende August hat der Essener Energieversorger Innogy zusammen mit Business Angels eine siebenstellige Summe in das Carsharing-Start-up Getaway gesteckt.