Traditionelle Firmen nehmen Start-ups immer stärker ins Visier. Weltweit stammt jeder sechste Finanzierungs-Dollar von Konzernen. In Europa liegt der Wert noch höher.

Ob Deutsche Bahn, Allianz, Innogy oder BMW: Im Wochentakt verkünden deutsche Konzerne aktuell die Beteiligung oder Übernahme eines Start-ups – mal sind die jungen Unternehmen ganz nah dran am bestehenden Geschäftsmodell der Konzerne, mal sollen sie den Weg in ein neues Geschäftsfeld ebnen.

Mit diesem aggressiven Vorgehen liegen die tradierten Firmen im Trend: Weltweit ist der Anteil der Konzerne am ausgezahlten Ventures Capitals auf den höchsten Stand seit 10 Jahren gestiegen. Das zeigt eine Auswertung des Branchenbarometers „Venture Pulse”, den die Beratungsgesellschaft KPMG heute veröffentlicht hat. 17,6 Prozent des globalen Finanzierungsvolumens, welches im zweiten Quartal 2017 an Start-ups überweisen wurde, stammen von lange bestehenden Unternehmen. Nach Einschätzung der Berater können sowohl strategische als auch finanzielle Interessen der Konzerne der Treiber hinter dieser Entwicklung sein.

Konzerne verlieren die Angst

In Europa liegt dieser Wert sogar bei mehr als 20 Prozent. Allerdings ist traditionell in vielen Ländern dieses Kontinents die Szene der Risikokapitalgeber und Investments-Fonds weniger stark vertreten und finanziell weniger stark ausgestattet als etwa in den USA. Dank drei umfangreicher Finanzierungen über 100 Millionen Euro reichte es in Deutschland dennoch für einen neune Rekordwert im ersten Halbjahr.

Daneben erkennen die Berater auch hierzulande eine zunehmende Offenheit der Konzerne, in Start-ups zu investieren. „Alteingesessene Unternehmen sehen Investments in disruptive Technologien und Geschäftsmodelle zunehmend als eine Chance an, Innovationen voranzutreiben und weniger als eine Bedrohung für das eigene Geschäft”, sagt Marius Sternberg, Partner bei KPMG.