Geld gegen Geschäftsmodell: In den vergangenen drei Monaten haben Unternehmen in Deutschland kräftig in Start-ups investiert – besonders in der späten Phase.

90 Millionen US-Dollar für fliegende Taxis von Lilium, 169,5 Millionen Dollar für den angeschlagenen Online-Musikdienst Soundcloud – das vergangene Quartal hat der Start-up-Szene einige Mega-Investitionen beschert. Mehr als 70 Deals im Wert von insgesamt 680 Millionen Dollar sind in dem Zeitraum in Deutschland über die Bühne gegangen, allein mit Risikokapital aus traditionellen Unternehmen. Zu dem Ergebnis kommt eine Analyse der Beratungsfirma KPMG mit dem Titel „Venture Pulse Q3“.

Immer mehr etablierte Industrieunternehmen investieren laut der Berater direkt oder über eigene Venture-Capital-Gesellschaften in Start-ups. Unter allen Risikokapital-Investitionen weltweit liege der Anteil des Wagniskapitals aus Unternehmen bei 17,7 Prozent, in Europa sogar bei mehr als 21 Prozent.

„Corporate Venture Capital ist für traditionelle Unternehmen zunehmend ein Vehikel, um innovative Ideen und Technologien in ihre bestehenden Produkte und Dienstleistungen zu integrieren“, wird KPMG-Partner Tim Dümichen in einer Pressemitteilung zitiert. Deshalb seien derzeit insbeondere Start-ups in der späten Phase interessant für Investoren – dieser Trend zeige sich weltweit im dritten Quartal. Während bereits am Markt erprobte Geschäftsmodelle besonders gefragt seien, kämpften Frühphasenprojekte um die nötige Finanzierung.

Fast 40 Milliarden an weltweiten Investments

Insgesamt hat sich der Markt für Risikokapital laut KPMG in den vergangenen drei Monaten stabil entwickelt. Weltweit seien 39,4 Milliarden Dollar in Venture Capital geflossen. Im zweiten Quartal lag der Wert noch etwas höher bei 40,1 Milliarden Dollar. Die Zahl der Deals ging dagegen weiter zurück auf 2 672, was dem Niveau des Jahres 2011 entspricht.

Für die kommenden Monate rechnen die Berater mit verstärkten Investitionen in künstliche Intelligenz. Insbesondere die Bereiche „Virtual Reality“ und „Augmented Reality“ fielen Geldgebern immer mehr ins Auge. Denn etablierte Firmen und Start-ups aus ganz Europa suchten gemeinsam nach praktischen Anwendungen für die bereits bestehenden Technologien. Potenzielle Zielmärkte gebe es viele: Unterhaltung, Gesundheit, Bildung, Mobilität und Einzelhandel.

Außerdem darf die Fintech-Szene laut KPMG in nächster Zeit auf große Deals hoffen. Das Berliner Start-up Spotcap hat diese Woche bereits den Anfang gemacht und 22 Millionen Euro eingesackt. Auch Banken und Versicherungen versuchen neue Technologien frühzeitig abzugreifen – mehrere Krankenkassen haben beispielsweise vor Kurzem eine Art Inkubator für Start-ups mit innovativen Gesundheitslösungen geschaffen.