Die Unternehmen planen eine „tiefgreifende technische Integration“ ihrer Produkte – Vorgänge rund um die Buchhaltung sollen so automatisiert werden.

Die Finanzen im Blick zu behalten, ist für Selbstständige eine Herausforderung. Denn längst nicht alles, was auf dem Konto landet, darf verprasst werden. Die von Auftraggebern mitüberwiesene Umsatzsteuer etwa muss zum Teil an das Finanzamt abgeführt werden, auch Steuervoraus- oder -nachzahlungen wollen bedacht werden. Vor plötzlichen Finanzlücken bewahren will Kontist seine Kunden: Das Berliner Start-ups ist 2017 mit einem Konto für Selbständige angetreten, bei dem Steuern automatisch zurückgelegt werden – und auch darüber hinaus die Buchhaltung vereinfachen soll.

Nach einer Seed-Finanzierungsrunde 2016, bei der insgesamt fünf Millionen Euro zusammenkamen, hat das Fintech nun einen strategischen Investor gefunden: Das Freiburger Familienunternehmen Haufe hat eine Minderheitsbeteiligung an Kontist erworben. Den genauen Umfang der Finanzierungsrunde, an der auch der Bestandsinvestor Founders beteiligt war, nannten die Unternehmen nicht. Im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer betont Kontist-Gründer Christopher Plantener, der Betrag liege „deutlich“ über dem der Seed-Finanzierungsrunden.

Am Wochenende kursierte in englischsprachigen Medien die Meldung, Kontist habe sich zwölf Millionen Euro gesichert. Wie Finanz-Szene.de berichtete, war das auf eine gefälschte Pressemitteilung zurückzuführen. „Offenbar wollte jemand den Abschluss unserer Finanzierungsrunde torpedieren“, sagt Plantener. „Wir haben nun Anzeige gegen unbekannt erstattet.“ Die Angaben in der gefälschten Mitteilung seien nicht korrekt.

Automatisierung als Ziel

Vom neuen Investor erhofft sich der Gründer einen besseren Marktzugang: „Haufe-Lexware ist als Marktführer bei Buchhaltungs-Software für Selbstständige ein idealer Partner für uns.“ Geplant seien in einem ersten Schritt Schnittstellen zwischen der Lexoffice und Kontist. Damit können Lexoffice-Nutzer in der Online-Buchhaltungssoftware beispielsweise ihren Kontostand abfragen. Dabei soll es aber nicht bleiben: „Unser Ziel ist es, die Grenzen zwischen Bank, Buchhaltung und Steuersoftware aufzuheben und Vorgänge für den Nutzer zu automatisieren“, sagt Plantener.

Die Haufe Gruppe betont, die Marke Lexoffice als Plattform positionieren zu wollen, an die andere Dienste andocken können. „Mit der Beteiligung an Kontist gehen wir für unsere Kunden einen weiteren Schritt in Richtung Automatisierung aller geschäftlichen Vorgänge und Erfüllung der steuerlichen Pflichten“, sagt Markus Reithwiesner, Geschäftsführer der Haufe Gruppe. Gemeinsam mit Kontist will das Unternehmen nun auch ein „Co-Creation Lab“ starten, um neue Produkte zu entwickeln.

Kontist soll autark bleiben

Trotz der engen Zusammenarbeit soll Kontist aber weiterhin auch mit anderen Buchhaltungslösungen zusammenarbeiten. So gibt es bereits Anbindungen zu Fastbill und zum von Plantener gegründeten Anbieter Debitoor. Auch am kostenlosen Konto will der Gründer beibehalten. Geld verdienen soll das aktuell 40-köpfige Start-up stattdessen mit Interbankengelten für die Nutzung der Kontist-Mastercard, Kartengebühren sowie kostenpflichtigen Zusatzservices.

Auf dem Markt mischt auch N26 mit: Das erfolgsverwöhnte Fintech bietet ebenfalls ein kostenloses Geschäftskonto an.Weiterer Anbieter ist der Newcomer Penta, der sich aber vor allem an Start-ups und Unternehmen bis zu 30 Mitarbeitern richtet. Für Haufe-Lexware ist die Beteiligung an Kontist nicht das erste Investment in ein Start-up. Anfang September hat das Unternehmen etwa die Mehrheit an der Coaching-Plattform Klaiton erworben. Die Tochter Smartsteuer hat kürzlich außerdem das Stuttgarter Start-up Steuerbot übernommen.