Alle sind krank, nur sie selbst spürt nicht mal ein Halskratzen. Schützt Selbstständigkeit vor Krankheit, fragt sich unsere Kolumnistin Meike Haagmans.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WiWo Gründer: In ihrer Kolumne beschäftigt sich Meike Haagmans, Flugbegleiterin und Gründerin, mit dem Thema, wie sich ihre beiden Leidenschaften vereinen lassen. Wenn sie nicht gerade bei uns schreibt, bloggt Meike Haagmans über ihre Erfahrungen mit ihrem Reiseveranstalter Joventour und gibt auf ihrer Webseite viele Tipps für Nebenbei-Gründer.

Ich sitze in meinem leeren und dreckigen Büro. Momentan sind alle krank. Selbst die Putzfrau. Anscheinend wird also diese Woche nicht nur die Arbeit, sondern auch der Staub liegen bleiben. Je länger ich mich in den Räumen umschaue, umso mehr mag ich den Gedanken, auch krank zu Hause zu bleiben: Ich würde meine Mutter anrufen, mir Essen kochen lassen, alles Mögliche im Fernsehen anschauen und mich dabei gesund pflegen lassen. So wie damals als Kind.

Ich räuspere mich und versuche ein potenzielles Kratzen in meinem Hals festzustellen. Nichts. Ich halte meine Nase zu und versuche beim Ausatmen einen Druck auf den Ohren zu diagnostizieren. Auch nichts. Nicht das geringste Anzeichen einer anfliegenden Erkältung. Aber wie kann das sein? Mein gesamtes privates und berufliches Umfeld wurde von der Grippewelle überrollt und ich spüre… nichts. Ich versuche mich zu erinnern, wann ich das letzte Mal so richtig krank war. Es fällt mir schwer. Es muss lange her sein. Vielleicht war es zu Studienzeiten, vielleicht als ich noch mehr geflogen bin, aber sicherlich nicht seit der Gründung von Joventour.

Schützt Selbständigkeit vor Krankheit?

Je mehr ich über diese Frage nachdenke, umso sicherer bin ich mir, dass an diesem Satz etwas dran ist. Aber wieso ist das so?

Einzelunternehmer beantworten diese Frage gern mit der Argumentation des Gehaltsausfalles. Aber als Geschäftsführerin einer Kapitalgesellschaft, würde ich, genau wie die jeder andere Mitarbeiter, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall bekommen. Und die Firma würde sich diese Kosten von der Krankenkasse erstatten lassen können. Es scheint also andere Gründe zu geben.

Ich diskutiere diese Frage mit Jana Scharfschwerdt, einer ‎CFO-on-demand für Early-Stage Start-ups. Achten Gründer mehr auf sich als Angestellte? Wir sind verschiedener Meinung. Ja, wenn es um durchfeierte Nächte geht, sind wir beide auf jeden Fall seit den Gründungen ruhiger geworden. Allerdings lebe ich definitiv ungesünder als in der Zeit davor. Ich stehe ständig unter Strom und ein Abschalten fällt schwer. Von der Ernährung mal ganz abgesehen.

Unsere zweite Theorie ist, dass Gründer generell zufriedener in ihrer Position sind und diese nicht in Frage stellen. Die Schlüsselposition, die der Founder im Unternehmen hat, ist einzigartig und selten ersetzbar. Als Gründer muss man sich die Anerkennung seiner Vorgesetzten und Kollegen anders erarbeiten, denn am Ende des Tages identifiziert man sich mit dem Unternehmen – man hat es ja schließlich ins Leben gerufen und aufgebaut.

Vielleicht haben Gründer auch ein anderes Verständnis von Verantwortung. Gegenüber Kunden und gegenüber Mitarbeitern. Ist es die Vorbildrolle Letzteren gegenüber? Oder ist es die Tatsache, dass meist nur der Gründer die Abhängigkeit zum Kunden komplett durchschaut?

Ein Komplettausfall ist keine Option

Ich glaube, es ist eine Mischung aus allem, was dazu führt, dass Selbstständige bzw. Gründer maximal „semi-krank“ werden. Man bleibt vielleicht nur einen Vormittag zu Hause und schläft sich aus. Vielleicht geht man auch mal einen Nachmittag früher nach Hause. Aber ein kompletter Ausfall ist keine Option. Vermutlich ist die Hemmschwelle einfach höher eine Krankheit zu empfinden. Sollte also Proctor & Gamble seinen Werbespot für Wick DuoGrippal neu auflegen und das Role Model ändern wollen, könnte der Pharmakonzern durchaus das Motto „Mütter nehmen sich nicht frei – Mütter nehmen Wick DuoGrippal“ auch auf Gründer anwenden.