Start-Up-Unternehmer müssen sich mit vielen Themen auseinandersetzen. Was die meisten übersehen: Die wirtschaftlichen Folgen einer Scheidung.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: Heute schreibt Andreas Bietmann, Partner der Wirtschaftssozietät Bietmann Rechtsanwälte Wirtschaftsprüfer Steuerberater in Köln.

In Deutschland werden pro Jahr 400.000 Ehen geschlossen und 163.000 geschieden. So unromantisch es auch klingt, aber gerade Unternehmer müssen die weitreichenden wirtschaftlichen Folgen einer Scheidung beachten.

Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) regelt die wirtschaftlichen Folgen der Ehescheidung in § 1363 über die so genannte Zugewinngemeinschaft.

Während der Ehe gewinnen Eheleute oder zumindest einer von ihnen meistens Vermögen hinzu. Bankguthaben, Immobilien, Wertpapiere oder Versicherungen. Der Wert der eigenen Firma stellt in besonderer Weise Vermögen dar. Der Zugewinn ist die Differenz zwischen dem Vermögen eines Partners bei der Scheidung und dem Anfangsvermögen bei der Heirat.

Das Gesetz sieht vor, etwaigen Zugewinn zwischen den Partnern auf Antrag eines der Partner auszugleichen. Es bedarf also im Trennungsfall einer detaillierten Vermögensübersicht. Wenn das Vermögen eines Ehepartners gestiegen ist, des anderen jedoch keine oder nur geringe Steigerung erzielt hat, teilen sich die Partner den Überschuss zur Hälfte.

Der Ausgleichsanspruch bezieht sich auf eine bestimmte Geldsumme. Dem Partner mit dem geringeren Vermögenszuwachs steht ein Zahlungsanspruch in Höhe der Differenz zu. Dies führt zu immensen wirtschaftlichen Risiken von selbständigen Unternehmern – denn der Wertzuwachs des eigenen Unternehmens während der Ehe fließt in den Zugewinn ein.

Wenn der Partner einen vergleichbaren Vermögenszuwachs während der Ehe nicht erreicht hat, kann diesem ein Ausgleichsanspruch in Höhe des hälftigen Unternehmenswertes zustehen. In Ehen mit Kindern, in denen ein Partner primär die Kinderbetreuung übernimmt und dieser deshalb nur über geringe Einnahmen verfügt, kommt es häufig zu erheblichen finanziellen Unterschieden.

Berechnung des Unternehmenswertes

In der Praxis haben sich verschiedene Methoden zur Berechnung des Unternehmenswertes etabliert. Unternehmer müssen wissen, dass der ermittelte Wert regelmäßig oberhalb von aktuell auf dem Markt zu erzielenden Preisen für das Unternehmen liegt, da zukünftiges Potential und Marktchancen besonders berücksichtigt werden. Ein schneller Verkauf hilft daher meist nicht.

Im Streitfall ist es Aufgabe der Richter, den Wert mit Hilfe von Sachverständigen zu bestimmen. Allerdings fehlen eindeutige Wertermittlungsgrundlagen. So kann jede Methode der Bewertung zu anderen Ergebnissen führen. Sachverständigen stehen zudem Beurteilungsspielräume bei der Gewichtung einzelner Faktoren zu. Dies führt in der Praxis regelmäßig zu erheblichen Abweichungen gutachterlicher Ergebnisse. Notgedrungen orientieren sich Richter an Mittelwerten und entscheiden ergebnisorientiert. Der Unternehmenswert wird Spielball der Interessen.

Fehlen liquide Mittel zum Ausgleich des Zugewinns, kann eine Ehescheidung zur Existenzbedrohung werden.