2. Die außerordentliche Kündigung
Für eine außerordentliche Kündigung ist es erforderlich, dass ein wichtiger Grund vorliegt. Ein wichtiger Grund ist nach § 626 BGB immer dann anzunehmen, wenn Tatsachen vorliegen, aufgrund derer dem Kündigenden die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses unter Abwägung der Gesamtumstände im Einzelfall selbst bis zum Ablauf der ordentlichen Kündigungsfrist nicht zumutbar ist. Als erster Schritt ist zu prüfen, ob ein bestimmter Sachverhalt an sich, also ohne Bewertung der konkreten Umstände des Einzelfalls, geeignet ist, einen wichtigen Grund darzustellen. Insbesondere bei Straftaten zu Lasten des Arbeitgebers ist dies regelmäßig der Fall. In einem zweiten Schritt ist sodann unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls eine umfassende Interessenabwägung vorzunehmen. Hierbei spielen die Sozialdaten des Arbeitnehmers wie Beschäftigungsdauer, Unterhaltspflichten, Lebensalter und eine etwaige Schwerbehinderung nach SGB IX eine erhebliche Rolle, so dass im Fall eines langjährig beschäftigten Mitarbeiters eine Kündigung wegen Diebstahls von wenigen Euro durchaus unwirksam sein kann. Zu berücksichtigen sind ferner das Gewicht und die Auswirkungen der Pflichtverletzung, der Grad des Verschuldens, eine mögliche Wiederholungsgefahr und ein bisheriger störungsfreier Verlauf des Arbeitsverhältnisses.