Die Besetzung einer freien Stelle bereitet Meike Haagmans Kopfzerbrechen. Soll sie die topqualifizierte, aber schwangere Kandidatin einstellen?

Mittwoch ist Kolumnentag bei WiWo Gründer: Meike Haagmans, Flugbegleiterin und Gründerin, nimmt regelmäßig die Kuriositäten der Start-up-Szene unter die Lupe. Wenn sie nicht gerade für uns schreibt, bloggt sie über ihre Erfahrungen mit ihrem Reiseveranstalter Joventour und gibt auf ihrer Webseite viele Tipps für Nebenbei-Gründer.

„Das ist meine neue Mitarbeiterin, sie geht bald in den Mutterschutz“. Vermutlich hat sich mehr als einer meiner Gesprächspartner im Frühjahr diese Jahres gefragt, ob er gerade richtig gehört habe. Nachgefragt hat allerdings nie jemand. Hatte ich mich wirklich entschieden, eine schwangere Angestellte einzustellen?

Ja, das hatte ich. Unser Reiseveranstalter Joventour erlebt momentan, absolut antizyklisch zum normalen Buchungsverhalten, ein starkes Wachstum. Irgendwie scheinen Reisende ihren Urlaub dieses Jahr anders zu planen. Vielleicht liegt es an der allgemeinen Sicherheitslage und /oder der Tatsache, dass unsere angebotenen Destinationen aktuell frei von möglichen Terroranschlägen sind.

Auswirkungen sind nicht absehbar

Auch ich bin, typisch deutsch, jemand, der ein ausgeprägtes Sicherheitsdenken hat. Beruflich noch mehr als privat und trotzdem habe ich eine Entscheidung getroffen, dessen Auswirkungen ich für mein Startup nicht abschätzen kann. Ich habe mich für eine Mitarbeiterin entschieden, die bald mindestens drei Monaten ausfallen wird. Und es kam sogar, dass ich nicht nur eine Schwangere einstellte, sondern für diesen Schritt auch noch eine andere Stelle streichen musste. Und diese Stelle war besetzt, von einem jungen, ledigen Mann, fernab von jeglicher Elternzeit.

Hätte mich einer der Gesprächspartner nach dem „Warum“ gefragt, hätte es nur eine Antwort gegeben: weil sie verdammt gut ist und weil ich sie bei dem Wachstum brauche – mit oder ohne Kind. Aber ich hätte auch die Zweifler verstanden, denn auch ich musste über meine Entscheidung erst mal innerlich hinterfragen.