Wer gründet, muss dafür sorgen, dass das Start-up bekannt wird. Gute Pressearbeit gehört hier dazu. Tijen Onaran weiß, worauf es ankommt.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: Heute schreibt wieder Tijen Onaran. Sie ist Gründerin von startup affairs, einer PR und Public Affairs Beratung für Start-ups, Venture Capitals und Unternehmen. Mit Women in Digital e.V. vernetzt Onaran Entscheiderinnen der Digitalbranche und macht diese sichtbar.  Vor der Gründung von startup affairs war sie als Leiterin Kommunikation beim Onlinehandelsverband Händlerbund und in unterschiedlichen Funktionen für Bundestags-, Europaabgeordnete sowie das Bundespräsidialamt tätig.

Zu Beginn einer Gründung gibt es viele Themen, die den Jungunternehmern auf den Nägeln brennen und die Aufmerksamkeit, Zeit und oft auch Geld benötigen. Die Pressearbeit ist dabei der Bereich, der häufig einen der unteren Plätze auf der Agenda einnimmt und doch kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem die Präsenz des eigenen Business nicht nur relevant, sondern vor allem auch notwendig wird: Gute Pressearbeit ist gefordert! Vier Irrtümer, die man dabei vermeiden sollte.

Viel hilft viel
Wer kennt es nicht: Ein Produkt oder eine Kampagne sind fertig, eine Information nicht länger geheim oder ein Ereignis steht an – all das muss dringend kommuniziert werden und die Suche nach passenden Journalisten, die darüber berichten könnten, geht los. Gesucht und gefunden, bombadiert man den Journalisten dann einfach so lange bis die Tasten glühen. Irgendwann kommt schon die Antwort – denkt man! Grundsätzlich gilt: mit Telefonterror und Mails im Stundentakt ist niemandem geholfen. Wenn die Geschichte gut ist, wird sich der Ansprechpartner melden. Es hilft auch sich zunächst zu erkundigen, welche das richtige Ressort für das eigene Thema ist und ob eine ähnliche Geschichte nicht gerade erst publiziert wurde: Statt Informationsoverkill also lieber Informationsvorsprung!

Marketing ist PR
Zu guten Inhalten gehören auch immer gute Verpackungen. Die beste Information hilft nichts, wenn die Website nicht ansprechend ist oder keine Auskunft darüber liefert, worum es einem eigentlich geht. Trotzdem: wer in der Pressearbeit nur Marketingkommunikation an den Tag legt, wird auf Dauer nicht erfolgreich sein. Gute Pressearbeit bedeutet auch, einen Blick hinter die Kulissen zu gewähren. Dazu zählen spannende Geschichten über die Gründungsidee, über Fehler und Herausforderungen, und vor allem über Zahlen, Daten Fakten.

Alle Kanäle müssen bespielt werden
Das tolle an Social Media Kanälen ist, dass die Kommunikation über das Unternehmen oder die Themen, die einen beschäftigen, selbst gestaltet werden können. Jeder sollte sich darum zu Beginn der Selbstständigkeit mit wenigen Mitteln auf diesen Kanälen eine Präsenz verschaffen, die der Grundstein für gute Kommunikationsarbeit ist. Doch: die Pflege der Kanäle bedeutet eben auch Arbeit. Zudem hat jeder Kanal hat seine eigene Tonalität. Habe ich ein visuelles Lifstyle Produkt, ist Instagram die passendere Plattform als beispielsweise Twitter. Geht es mir darum das Gründerteam als Experten präsenter zu machen, ist wiederum Twitter als Informationsmedium die richtige Adresse. Nicht jeder Kanal muss bespielt werden, aber wenn, dann richtig.

Journalisten lieben fertige Interviews
Es gibt sie immer noch: die Vorstellung, dass vorgeschriebene Inhalte Journalisten in Entzückung versetzen. Und was hilft da am besten? Ein Interview oder gar ein fertiger Text, den das Medium dann aber bitte genauso abbilden soll. Ein guter Text oder ein spannendes Interview lebt von den Fragen, die der Journalist stellt. Statt sich also an einen vorgeschriebenen Text zu setzen, sollte zunächst die Überlegung folgen: für welche Inhalte und Themen steht mein Unternehmen oder stehe ich? Welche Thesen kann ich anbieten, die spannend, informativ und vor allem verständlich sind? Wenn das klar ist, wird auch das Interview oder Text das transportieren, für das man steht.