Stillstand in der Politik ist gleich Stillstand in der Start-up-Szene? Mitnichten, sagt Niklas Veltkamp und blickt für uns auf das (fast) vergangene Jahr zurück.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: Heute schreibt Niklas Veltkamp, Mitglied der Geschäftsführung beim Branchenverband Bitkom und dort für Start-ups zuständig.

2017, ein Jahr geprägt vom Bundestagswahlkampf. Wort des Jahres: Jamaika-Aus. Diskussionen über einer Staatskrise, zumindest jedoch eine Krise des Parlaments. Entsetzen über ein scheinbar völlig überraschendes Platzen von Sondierungsgesprächen, Diskussionen über eine Minderheitsregierung. Stillstand in der Politik? Darüber ließe sich lang und breit diskutieren.

Eins hingegen ist jedoch sicher: 2017 war kein Stillstands-Jahr für die Start-up-Szene, wie die Zahlen beweisen.

Start-ups als wichtige Arbeitgeber

Start-ups sind inzwischen bedeutende Arbeitgeber. Im Schnitt beschäftigt in diesem Jahr jedes Start-up 18 Mitarbeiter. Vor zwei Jahren waren es erst 13, vor einem Jahr 15 Mitarbeiter. Und im kommenden Jahr bestehen gute Chancen, dass die Zahl noch einmal wächst, denn drei Viertel der Gründer gingen in diesem Jahr davon aus, dass sie in Zukunft weitere Arbeitsplätze schaffen werden. Gute Aussichten also, die allerdings von etwas getrübt werden, das viele Mittelständler und Großunternehmen bereits seit Jahren beklagen: Einen eklatanten Fachkräftemangel. Die Folge: Jedes zweite Start-up  konnte schon einmal eine offene Stelle nicht besetzen, weil es schlicht keine geeigneten Kandidaten gab.

Kapitalbedarf wird nicht gedeckt

Und auch  der Kapitalbedarf bereitet vielen Start-ups weiter Sorgen. In den kommenden zwei Jahren benötigen Start-ups in Deutschland im Durchschnitt 2,2 Millionen Euro. Das entspricht etwa der Summe, die auch ein Jahr zuvor genannt wurde. Leider hat sich auch wenig daran geändert, dass es bei Finanzierungsrunden in der Wachstumsphase  gerade im zweistelligen Millionenbereich nach wie vor sehr schwierig ist, Investoren zu finden. Gerade für internationale Expansionen wird dieses Geld jedoch dringend benötigt.

Statt ins Ausland zu expandieren gleich im Ausland zu gründen – das ist für viele Start-ups aber keine so verlockende Alternative mehr. Gut für die deutsche Start-up-Szene! Mehr als zwei Drittel der Gründer würden auch bei einem erneuten Versuch hierzulande starten – 2016 waren es mit 44 Prozent noch weniger als die Hälfte. Zugleich verlieren die USA für Gründer an Reiz: Gerade einmal 15 Prozent würde es nach der Wahl von Trump dorthin ziehen, 2016 waren es mit 32 Prozent noch mehr als doppelt so viele.