Als ihre Mitarbeiterin schwanger wird, beginnt bei Meike Haagmans das große Grübeln: Warum gelten (potenziell) werdende Mütter oft immer noch als Risikofaktoren in Unternehmen?

Mittwoch ist Kolumnentag bei WiWo Gründer: In ihrer Kolumne beschäftigt sich Meike Haagmans, Flugbegleiterin und Gründerin, mit dem Thema, wie sich ihre beiden Leidenschaften vereinen lassen. Wenn sie nicht gerade bei uns schreibt, bloggt Meike Haagmans über ihre Erfahrungen mit ihrem Reiseveranstalter Joventour und gibt auf ihrer Webseite viele Tipps für Nebenbei-Gründer.

Eigentlich hatte ich schon länger mit der Nachricht gerechnet, und doch kam sie in dem Moment unerwartet: „Ich bin schwanger!“ Meine Mitarbeiterin wirkt sichtlich erleichtert, diese drei Worte losgeworden zu sein. Als Mittdreißigerin, in deren Umfeld Babys und die Windelfrage jegliche Gespräche im Freundinnenkreis dominieren, sollte ich mich also freuen: Oh, wie schön.

Aus drei Wörtern entsteht in diesem Moment eine Menge Arbeit

Oder sollte ich besser (und ehrlicher) sagen: Schöne Scheiße, denn als Arbeitgeberin freue ich mich nicht. Denn aus drei Wörtern entsteht in diesem Moment eine Menge Arbeit. Natürlich muss Ersatz gefunden werden. Aber für wie lange? Laut Gesetzgeber hat die werdende Mutter bis sieben Wochen vor Beginn der Elternzeit Zeit diese zu beantragen. Aus Arbeitgebersicht bedeutet es, dass ich im worst-case eine schwangere Mitarbeiterin in den Mutterschutz verabschiede ohne zu wissen, ob sie unmittelbar nach diesem wiederkommt – oder erst in sechs Monaten oder vielleicht auch erst in drei Jahren.

Von mir, als Arbeitgeberin, verlangt der Gesetzgeber in dieser Situation also absolute Flexibilität.

Diese scheint aber auf Einseitigkeit zu beruhen, denn im Gegenzug gibt es nach wie vor keine Gnade bei anderen unternehmerischen Situationen, wie z.B. bei Fristen und Vorauszahlungen.

Die schwierige Suche nach dem Kita-Platz

Apropos Einseitigkeit: Vor dem Gesetz sind alle gleich. Väter wie Mütter. Arbeitgeber der Väter und Arbeitgeber der Mütter. In der Realität sehe ich das anders. Während ich, als Arbeitgeberin der werdenden Mutter, also mit einer gewissen Unsicherheit leben muss, wird der Vater-Arbeitgeber doch meist nur selten von der Situation tangiert und selten in die Problematik von jungen Familien in Deutschland involviert.

Ja, natürlich nehmen Väter auch Elternzeit. Aber in den meisten Fällen sind es doch immer noch die ´berühmten zwei Monate´. Und da diese dann meist für eine erste große Familienreise genutzt werden und eine Reise auch gut geplant werden sollte, liegt dem Vater-Arbeitgeber der Antrag doch meist länger als sieben Wochen vor Beginn der Reise vor, oder?

Anderes Beispiel für die Einseitigkeit: Immer wieder höre ich Diskussionen unter den Müttern in meinem Bekanntenkreis, wie schwer es ist Kita-Plätze zu bekommen und dass diese, bei uns in Düsseldorf, erst ab Februar bekannt gegeben werden. Eine Situation, die es Müttern nicht gerade erleichtert in den Beruf zurückzukehren. Aber anstatt diese Unsicherheit auf die Arbeitgeber beider Elternteile zu verteilen, sind es doch meist die Mütter, die ihre Arbeitgeber auf „pending“ halten, bis der Platz bestätigt wird.

Frauen, verteilt die Verpflichtungen!

In der Eigenschaft an sich, ist eine Schwangerschaft doch der kalkulierbarste Arbeitsausfall, der einem Arbeitgeber passieren kann und doch gelten (potenziell) werdende Mütter oft immer noch als Risikofaktoren in Unternehmen. Aber wieso?

Pauschal werden wir die Frage nicht beantworten können, aber ich bin der Meinung, dass diese ganzheitlich beantwortet werden muss. Wenn Kita-Plätze nicht bestätigt werden, warum werden Väter nicht mit in die Pflicht genommen und reduzieren zum Beispiel Arbeitszeiten? Ist die Arbeitskraft der Mutter weniger wert als die des Vaters? Oder ist die Aufgabe der Frau in Deutschland immer noch die, dem Mann den Rücken freizuhalten?

Schlussendlich müssen junge Eltern selbst entscheiden, wie sie das gemeinsame Familienleben gestalten möchten. Aber ich finde: Wenn wir Frauen nicht beginnen, die Verpflichtungen gesamtheitlich zu verteilen, dürfen wir uns auch nicht wundern, dass Schwangerschaften bei Arbeitgebern in Deutschland oftmals als unkalkulierbar angesehen werden. Und Veränderungen beginnen ja bekanntlich bei jedem selbst.