Die Höhle der Löwen ist ein Erfolgsformat, aber eines, das den Teilnehmern einiges abverlangt, denn im Netz wird jeder Auftritt bewertet – und das kann ganz schön weh tun.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WiWo Gründer: In ihrer Kolumne beschäftigt sich Meike Haagmans, Flugbegleiterin und Gründerin, mit dem Thema, wie sich ihre beiden Leidenschaften vereinen lassen. Wenn sie nicht gerade bei uns schreibt, bloggt Meike Haagmans über ihre Erfahrungen mit ihrem Reiseveranstalter Joventour und gibt auf ihrer Webseite viele Tipps für Nebenbei-Gründer.

Irgendetwas ist anders heute Morgen. Der Stream in meinen Sozialen Medien Accounts ist erstaunlich ruhig. Keine Diskussionen unter den Start-up-Posts, die die Algorithmen für mich als interessant eingestuft haben. Ich überlege kurz, ob es irgendwelche Updates von Facebook & Co über Nacht gab, stelle aber schnell fest, dass es vermutlich daran liegt, dass gestern seit langem keine Folge mehr von der Gründer-Show „Die Höhle der Löwen“ ausgestrahlt wurde. Staffel fünf ist seit einer Woche beendet und damit auch die hitzigen Debatten im Netz.

Ursprünglich interessierte mich das TV-Format nicht sonderlich. Ich zappte rein, wenn es passte, aber meine Tagesplanung tangierte es nicht. Ab Mitte dieser Staffel war es anders, denn eine Kommilitonin aus meinem Accelorater Programm hatte sich erfolgreich beworben: Katharina Mayer von Kuchentratsch. Vor etwas mehr als einem Jahr erzählte mir Katharina das erste Mal von ihrer Idee sich zu bewerben und auch von ihren Zweifeln: Was, wenn man zerrissen wird? Was, wenn der Pitch vollkommen falsch wiedergegeben wird? Ist es nur PR oder muss man sich als Bewerber darauf einstellen, dass der Titel der Show wortwörtlich gelebt wird? Oder sollte sie alle Bedenken über Bord werfen und die ganze Veranstaltung ausschließlich als Chance begreifen?

Die Kritik kam nicht von den Löwen, sondern aus dem Netz

Katharina und ich haben – wie viele andere Gründerinnen – einiges gemeinsam: Wir sind alleine gestartet, mit eine Minimum an Kapital, dem Start-up-Sprech absolut nicht mächtig, aber mit einer vollen Portion Herzblut und einer Vision. Ich konnte ihre Bedenken also mehr als verstehen, denn schon alleine die Tatsache, dass ein Gründer es im Alleingang versucht und dass auch noch als Frau im gebährfähigen Alter, scheint unter Investoren erfahrungsgemäß ein Dealbreacker zu sein.

Am Tag der Aufzeichnung von Katharinas Pitch zeigte sich jedoch, dass ihre Befürchtungen umsonst gewesen waren: Statt dem erwarteten Zähnefletschen zeigten die Löwen Herz für die Geschäftsidee von einer Kuchenmanufaktur, die mit Unterstützung von Rentnern betrieben wird, und investierten.

Das Ende der Geschichte war dies jedoch noch nicht, denn obwohl Katharina alles erfüllte, was dieses TV-Format verlangte: nämlich einen überzeugenden Auftritt und perfektes Entertainment, lieferte ihr Pitch viel Diskussionsstoff. Jedoch nicht im TV, sondern im Internet.